6.5.2010

2006

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25.12.02006: Verbraucherzentralen resignieren bei "Spam"

Durch die Heise-Meldung http://www.heise.de/newsticker/meldung/82965 habe ich zum erstenmal erfahren, daß es eine Beschwerdestelle der Verbraucherzentralen gegeben hat, die sich mit Spam-Mails beschäftigte. Sie scheinen mit viel gutem Willen und viel Naivität ans Werk gegangen zu sein. Kein Wunder, daß sie nun resigniert aufgeben.

Spam wird heute meistens durch Botnets versandt, das sind virtuelle Netzwerke von "gekaperten" Windowsrechnern, d.h. auf denen bestimmte Trojaner installiert sind, die sich die User irgendwo "geholt" haben. Solange Windows existiert und solange jeder User glaubt, man steckt nur eine CD ins Laufwerk und klickt auf "Ok", und alles installiert sich selbst, wird sich daran auch nichts ändern. Erst wenn es üblich wird, daß jedermann ebenso, wie er Kunde einer Autowerkstatt ist, auch Kunde einer Computerwerkstatt ist, kann diese Art von parasitärer Computernutzung aussterben. Gegen heimliche Wanzen hilft nur ein Kammerjäger, der die Augen offenhält. Gegen "Cracker" helfen nur "Hacker".

Die Internetprovider haben sich ja letztens (nach endlosen Verhandlungen und unter Schmerzen und Tränen) auf eine Methode geeinigt, der sie den klangvollen Namen "Sender-Policy-Framework" gegeben haben: Der empfangende Provider sendet eine Anfrage an die Mail-Domain der Absenderadresse, ob die IP-Adresse des Absenders "berechtigt" sei oder nicht. Die Methode ist - wie zu erwarten - vollkommen wirkungslos, weil es sich bei den meisten Domains, unter denen Email verschickt wird, um gemieteten Webspace handelt, der von der IP-Adresse des Absenders nichts wissen kann. Der Webspace-Provider eines Users ist bekanntlich in den meisten Fällen eben nicht identisch mit dem Internet-Provider des Users. Jeder weiß das, nur die Provider offenbar nicht. Bei mir bleiben nur Bruchteile eines Prozents wegen "SPF failed" im Filter hängen. Auch die Versuche, das Spamproblem etwa durch Gesetze in den Griff zu bekommen, erscheint mir reichlich naiv (um nicht zu sagen: komplett bescheuert), solange jedes Botnetz aus zehntausenden von Computern besteht, die über den gesamten Globus verstreut sind.

Was bei mir im Augenblick recht ordentlich hilft, ist ein Filter, das nach Inhalt, Form, Adressen, beworbenen URLs und IP-Adressen geht. ("Inhalt": bestimmte Formulierungen und wiederkehrende Schreibfehler; "Form": z.B. Mail mit dem Hauptteil in HTML oder Mail ganz ohne Textteil; "Adressen": wiederkehrende Ausdrücke in den Absenderadressen; "URL": wiederkehrende Ausdrücke in den beworbenen Webadressen; "IP-Adressen": Adreßbereiche z.B. in Südostasien) Ich bekomme etwa 80 bis 100 Junkmails pro Tag, und nur ein bis zwei kommen noch durch. Ich lasse mir täglich eine Liste der abgewiesenen Mails anzeigen, und bisher waren noch keine "falsch-positiven" darunter. Die entsprechenden Listen werden auch täglich aktualisiert und automatisch auch auf die Linux-Server meiner Kundenfirmen kopiert. Bei meinem "Filter" handelt es sich nicht um ein Programm, das man sich installiert und gut, sondern es handelt sich um eine Dienstleistung. (Wer sich für meine Filterung interessiert, sollte mir bitte eine E-Mail schicken.)

 

18.12.2006: BitDefender veröffentlicht Sicherheitslücke verspätet

Eine Sicherheitslücke in der Antivirensoftware "BitDefender" wurde dem Hersteller im August gemeldet und nach wenigen Tagen per Internet-Update geschlossen. Warum die Öffentlichkeit nun erst im Dezember informiert wird, ist nicht bekannt. http://www.heise.de/newsticker/meldung/82691

 

3.12.2006: Männerfeindliche Fluggesellschaften

Mindestens drei Fluggesellschaften sollen damit begonnen haben, alle Männer generell so zu behandeln, als ob sie eine Bedrohung für Kinder seien.

  • British Airways
  • Quantas (Australien)
  • Air New Zealand

http://www.belfasttelegraph.co.uk/news/letters/story.jsp?story=716884

The airline has banned men from sitting next to children they don't know, even if their parents are also on the flight.

Air New Zealand and Qantas also segregate men from children they don't know, indicating they share the view that all men are potential sex offenders.

http://www.independent.org/newsroom/article.asp?id=1857

Indeed, BA itself has been quietly instituting the policy since at least 2001 when another 'seat rearrangement' drew attention. In answering a complaint from the humiliated man, BA explained, "We introduced the policy ... in response to customers asking us to make sure their children are not seated next to men. We were responding to a fear of sexual assaults."

 

2.11.2006:  Die ewige Sicherheitslücke Javascript

Der Internet-Explorer 6 hat eine neue ungepatchte Lücke, die Surfer in Gefahr bringt. Und wieder ist Javascript Teil des Problems. "Um Opfer eines Angriffs zu werden, genügt es nach Darstellung des Fehlerberichts, eine Webseite aufzurufen, die ein präpariertes JavaScript enthält." http://www.heise.de/newsticker/meldung/80422

 

2.11.2006: Bayer wirft Greenpeace aus dem Internet

Über eine Seite von Greenpeace konnte man eine Protest-Mail gegen Gen-Reis an Bayer schicken. Bayer-Manager waren darüber so verärgert, daß sie den Provider unter Druck setzten, der die Seite daraufhin vom Netz nahm.

Anstatt Proteste als Rückmeldung zu verstehen, verstehen sie sie als Angriffe und versuchen, sie unter Einsatz von Machtmitteln zu unterbinden. Shell und Brent Spar lassen grüßen. Wieder einmal benimmt sich ein Konzern wie ein unreifer Jugendlicher. Schon aus diesem Grund können Bayer-Produkte nicht wirklich gut sein. Ich glaube, Bayer-Produkte sollte man im Interesse von Demokratie, Freiheit und Qualität ein paar Jahre lang boykottieren. Meistens gibt es ja ohnehin mindestens eine Alternative.

 

20.10.2006: Neue Masche der Phisher

Das Phishing selbst, also das Abgreifen von Kontoinformationen und TANs ist (aus der Perspektive des Phishers gesehen) offenbar nicht das Problem, sondern der Engpaß ist das spurlose Überweisen.

Bisher haben sie per Spam-Mails nach "Finanzagenten" und ähnlich vage klingenden "Geschäftspartnern" gesucht, die auf ihrem Konto Überweisungen entgegennehmen und das Geld per Western-Union nach Petersburg o.ä. verschicken sollten. Offenbar riechen aber zuviele Leute den Braten und hüten sich davor, für irgendwelche Russen Geld zu waschen.

Jetzt sind sie auf folgende Idee gekommen: zum Schein teure Sachen kaufen, die hohe Vorauszahlung leisten (direkt vom gephishten Konto natürlich), dann stornieren und die Erstattung per Western-Union nach Petersburg verlangen.

Auch echte Käufe mit gephishtem Geld sind üblich, auch bei Ebay. Nigeria als Versandziel ist auch schon vorgekommen. Auch überraschende Überweisungen an gänzlich Ahnungslose und dann Rückforderung woanders hin ist üblich.

Da der Gephishte in der Regel sein Geld rechtmäßig zurückverlangen kann, kann dann der ahnungslose Geldwäscher am Ende das Opfer sein.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/79803 (Die Originalmeldung bei bka.de ist - wie immer bei Behörden - so gut in den Tiefen der Webseite versteckt und wird natürlich auch vor Google perfekt geheimgehalten, daß man die mangelhafte Veröffentlichung schon als Beihilfe bezeichnen kann.)

 

20.5.2006: Drucken unter Linux

Ich war gezwungen, mir einen neuen Drucker zu kaufen (Epson Stylus D68). Das Einrichten ist mit ein paar mehr Schwierigkeiten verbunden als früher. Immerhin kann ich inzwischen "von Hand, irgendwie" schon drucken, aber fertig bin ich noch nicht. Deshalb ist auch in den letzten Wochen das Linuxsystem nicht vorwärtsgekommen. Aber ich weiß jetzt etwas mehr über das Drucken über Druckertreiber und über Ghostscript.

 

10.5.2006: Package Management

Ich sitze an einem Rechner, auf dem ein Linux von Null an installiert ist, d.h. ohne Distribution. Aber ich merke schon wieder, daß ich mit dem Aktualisieren nicht nachkomme. Man sieht es an den Versionsnummer in der Liste der Pakete Ist da draußen vielleicht jemand, der mitmachen möchte? Es gibt eine Mailingliste für Interessierte.

Die Pakete nach dem "LFS-BOOK-udev_update-20060413" sind aktuell (siehe infolist.html ). Das LFS-Grundsystem kann man damit schon installieren, booten und sich als root einloggen.

 

29.4.2006: Der Film "Serenity"

Das ist die Fortsetzung der (vom Sender abgesetzten und als DVD preisgekrönten) TV-Serie "Firefly" als Spielfilm.

 

26.4.2006: De Postbank is doof

1. doof   <Adj.> [niederd. Entsprechung zu hochd. taub < mniederd. d\u014df = taub] (salopp abwertend): 1. ... ( http://www.duden.de/ )

Monatelang haben sie beim Einloggen eingeblendet: Ihre TAN-Liste wird am 5. 4. ungültig, aktivieren Sie die neue Liste. Sie haben mir sogar einen Brief geschickt: Aktivieren Sie doch endlich die neue Liste. Am 31. März aktiviere ich also die neue Liste: Sie ist ungültig.

Die Postbank hat auf ihrer Homepage im Impressum - wie vorgeschrieben - eine E-Mail-Adresse. Seit dem 31. März habe ich vier Mails geschickt. Jedesmal kommt eine Antwort von einem automatischen Programm ("Ignore-Bot"). Das ist alles. Die Postbank reagiert nicht auf E-Mails ihrer Kundschaft, sie stellt sich taub.

Ich bin jetzt auf der Suche nach einer neuen Bank. Das ist gar nicht so einfach, wenn man selbständig ist. In der Osterstraße die Citibank und die Vereins- und Westbank haben mich schon abgelehnt: "Wir machen nur Gehaltskonten." Zur Haspa will ich nicht wieder hin. Die hatte mir 2001 zuerst zweitausend Formulare verkauft und dann erklärt: "Die sind jetzt ungültig, die können sie wegwerfen," (als der Euro eingeführt worden war). Bei der Dresdner war ich ein einziges Mal und wollte Gold kaufen. Aber sie haben nichts als Schwierigkeiten gemacht und mich im Grunde hinausgeworfen. Die Deutsche Bank wollte mich auch nicht, ich hatte nicht genug Geld für ihre Ansprüche.

Ich suche doch nur jemanden, der auf meine paar tausend Euros aufpaßt und für mich Überweisungen ausführt und annimmt. Alle Banken lehnen mich ab oder ekeln mich hinaus. Was ist hier eigentlich los? Sind die Banker alle doof, oder bin ich es?

 

23.3.2006: Einbinden eines Speicherkartenlesers in Linux

Ich hatte mir einen USB-Kartenleser ("7 in 1") gekauft und eingebaut. Und dann "lief" er nicht. Jetzt läuft er, aber es war eine größere Operation. Ich schreibe es mal auf, für die Anderen zum Abgucken.

Download des gegenwärtigen Standes: inst.html

 

2.2.2006: Microsoft-Lobbyist vergleicht Open-Source mit Drogenhandel

Jonathan Zuck, in der Szene als Lobbyist für Microsoft bekannt, sagte als Vertreter der Organisation Association for Competitive Technology (ACT): "Freie Software hat eine Rolle gespielt bei der massenhaften Verbreitung, aber wenn die Offenlegung des Sourcecodes zu früh kommt, kann das zum Innovationshemmer werden." Mit Blick auf ein für Entwicklungsländer angepaßtes Schutzniveau sagte Zuck, man werde schließlich auch nicht den Drogenhandel legalisieren, nur weil dieser bei entsprechendem Florieren auch in legale Geschäfte investiere. http://www.heise.de/newsticker/meldung/70234

 

20.2.2006: Mißbrauch von Datenverschlüsselung

Lenovo ( http://www.pc.ibm.com/us/think/thinkvantagetech/security.html ) baut ein "Thinkpad", dessen gesamte Festplatte hardwaremäßig verschlüsselt ist. Zugriff ist dann nur mit Hilfe der eingebauten Firmware möglich. Zugriff hat nicht mehr derjenige, der den Computer (bzw. die Festplatte) in seinem Besitz hat, sondern derjenige, der vom "Hersteller der Daten" autorisiert ist. Das ist ein wirksamer Diebstahlschutz für die gespeicherten Daten.

Es ermöglicht aber auch zum Beispiel Musik- oder Filmdateien, die nicht mehr beliebig oft abgespielt oder beliebig kopiert werden können. Auch Dateien mit Verfallsdatum wären möglich. Es ist auch möglich, Dateien des Computerbesitzers mit einem Verfallsdatum zu versehen. Aus der Sicht der Medienindustrie sind sicher die Hersteller von Hardware und Software vertrauenswürdiger als der einzelne Verbraucher. Aber aus der Sicht einer Familie oder einer Firma, die sensible Daten zu schützen hat, ist es umgekehrt: Die eigenen Mitglieder bzw. Mitarbeiter sind vertrauenswürdiger als eine Firma oder eine Behörde.

Verbraucherverbände und Bürgerrechtler beginnen, sich Sorgen zu machen, daß es auf diese Weise möglich wird, dem Eigentümer eines Computers oder dem Autor eines Dokuments die Verfügung über sein Eigentum zu entziehen ( http://www.informationweek.com/blog/main/archives/2006/02/yes_trusted_com.html ).

Angesichts der neuen Möglichkeiten sind staatliche Stellen aufgewacht und machen sich Sorgen, daß sie z.B. beschlagnahmte Festplatten jetzt nicht mehr auswerten können. ( http://www.heise.de/newsticker/meldung/69815 )

Der einfache Bürger beginnt, sich Sorgen zu machen, daß er von Firmen nur noch als rechtlose Melkkuh und von staatlichen Stellen als rechtloser Verdächtiger angesehen wird. Die Rechnung kann nicht aufgehen. Jede Gemeinschaft basiert auf Vertrauen, aber Vertrauen ist keine Einbahnstraße. Die Firmen, Verbände und Staatsorgane, die dem Bürger nicht mehr vertrauen wollen, haben selbst kein Vertrauen mehr verdient. Der soziale Friede wurde gebrochen, es herrscht ein kalter Bürgerkrieg in Deutschland.

Zum Verschlüsseln der eigenen Daten gibt es bessere Methoden: PGP, GnuPG und diverse Verschlüsselungssysteme für Festplatten, die nur auf Software basieren.

 

15.2.2006: Warnung vor der DVD "Mr. & Mrs. Smith" von "Kinowelt"

Ein Kopierschutzverfahren ist im Umlauf, das beim Einlegen der DVD das Betriebssystem "Windows" dauerhaft beschädigt. Heise meldet, daß bei einem der Testrechner das Brennen von (Daten)-DVDs nur noch Fehlbrände produzierte ( http://www.heise.de/newsticker/meldung/69322 ). Außerdem soll es sich - genau wie gängige Schadsoftware - unter wechselnden Namen installieren, sich vor dem Task-Manager verstecken und sich nicht ohne weiteres deinstallieren lassen.

Update: Der Kopierschutz öffnet eine Sicherheitslücke, ähnlich wie das Sony-Rootkit. Zu der Behauptung im Autostartprogramm der DVD, der Kopierschutz sei von Microsoft zugelassen, will Microsoft sich derzeit nicht äußern. http://www.heise.de/newsticker/meldung/69494

Das Verfahren nennt sich "Alpha-DVD", stammt von dem koreanischen Hersteller "Settec" und wurde in Deutschland bisher nur auf den DVD-Titeln "Mr. & Mrs. Smith" und "Edison" gefunden, beide von der Firma "Kinowelt". Der Einsatz auf weiteren DVDs wird von der Firma nicht ausgeschlossen. Firma Kinowelt bei heise.de: "Die Kinowelt Home Entertainment GmbH behält sich auch in Zukunft vor, ihre Produkte vor illegaler Vervielfältigung zu bewahren und neue Technologien zum Schutz vor Raubkopieren einzusetzen. Aus diesem Grund verfolgt die KHE mit großem Interesse die ständig fortschreitende Neu- und Weiterentwicklung von Kopierschutzprogrammen, die sowohl Sicherheit als auch Benutzerfreundlichkeit garantieren. Die Entscheidung, welche Schutzprogramme künftig für besonders gefährdete Titel zum Einsatz kommen sollen, wird aus der Beobachtung dieser Entwicklung resultieren."

Update: amazon.de weist bei der "Soundtrack-Edition" auf den Kopierschutz hin, er wird als absolut harmlos geschildert, was sich durch eine Google-Suche nach 'mr & mrs smith kopierschutz' als unzutreffend erweist. Bei dem Film "Edison" findet man unter den Kunden-Kommentaren eine Beschwerde, daß durch den Kopierschutz die DVD beim Abspielen ruckelt. Bei "Mr. & Mrs. Smith" beschweren sich mehrere User über dauerhafte Störungen des PC bis zur Neuinstallation von Windows.

Update: Heise.de hat den Kopierschutz näher untersucht. Danach entsprechen die Angaben bei amazon.de , es gebe eine "einfach durchzuführende Deinstallation" und es komme nur "in seltenen Fällen zu Problemen mit dem Brenner", nicht der Wahrheit. Bemerkenswert dreist ist die Behauptung: "Der Alpha-Kopierschutz versteckt keine Dateien." Der Hersteller des Kopierschutzes bietet ein "Update" an, das die Versteckfunktion zurücknimmt.

Die Gefährlichkeit des Kopierschutzes wird - wenn auch nur indirekt - zugegeben, und zwar durch den gutgemeinten Rat, man solle "offline bleiben" (nicht ins Internet gehen), solange der Kopierschutz installiert sei. Es gibt beim Hersteller ein Deinstallierungsprogramm herunterzuladen. Wie man das Programm herunterlädt, solange man "offline bleibt", steht da natürlich nicht.

Update: amazon.de hat den Kopierschutz-Hinweis auch auf der Seite für die normale DVD, aber er ist das Unauffälligste auf der gesamten Seite, offensichtlich soll man ihn nicht sehen. Ich habe ihn nur bemerkt, weil ich danach gesucht hatte. Ich selbst kaufe übrigens nicht mehr bei amazon.de, weil man, sobald es irgendwelche Probleme gibt, nicht mit amazon.de kommunizieren kann, sondern mit einem Call-Center bzw. einem E-Mail-Dienst, der ausschließlich fertige Antworten bzw. Textblöcke verwendet. Solange alles funktioniert, ist es gut, aber wenn es wirklich mal ein Problem gibt, steht man im Regen.

Meiner persönlichen, laienhaften Meinung nach ist die Verwendung von "Alpha-DVD" durch DVD-Hersteller eine 'unbefugte Datenveränderung', die allerdings vermutlich nicht vorsätzlich, sondern nur fahrlässig erfolgt. Da das Aus- oder Einschalten der Autostartfunktion zu den völlig normalen Tätigkeiten eines Users in "Windows" gehört, ist der Kopierschutz aber noch nicht einmal ein "wirksamer Kopierschutz", so daß er vom Urheberrecht nicht geschützt ist. Der einzige Effekt dieses 'Kopierschutzes' ist, daß er die Kunden verprellt.

Hersteller und Verwender solcher Kopierschutztechniken denken offensichtlich mit Scheuklappen, und sie denken dabei nicht an die Kunden, sondern nur an sich selbst. Ich habe sowieso seit langem das Gefühl, wenn ich mir auf CDs und DVDs das Kleingedruckte so ansehe: Das Geld nehmen sie gern an, aber der Genuß von Musik und Film wird dem Kunden schon gar nicht mehr gegönnt. Stattdessen wird man mit Argwohn und Mißtrauen behandelt. Sie nisten sich auf den PCs ihrer Kunden ein, um sie auszuspionieren und zu kontrollieren.

Hallo, Musik- und Filmindustrie: Ich habe eure Machenschaften gründlich satt. Ich werde ab sofort keine CDs und DVDs mehr kaufen (und auch nicht ausleihen oder gar herunterladen). Und ich werde meinen persönlichen Boykott erst beenden, wenn die Musik- und Filmindustrie sich für ihr Fehlverhalten öffentlich entschuldigt und die Opfer angemessen entschädigt hat. (Ich mache nur eine einzige Ausnahme, und zwar für meinen Lieblingsregisseur Joss Whedon.)

Update: "Kinowelt" antwortet auf Beschwerden folgendermaßen (gefunden bei http://forum.cinefacts.de/ ):

Sehr geehrte Frau XXX,

zunächst möchten wir Ihnen für das unseren Produkten entgegen gebrachte Interesse danken.

Mit Bedauern lesen wir, dass Sie sich gegen den Kauf unseres Top Titel 'Mr. & Mrs Smith' entschieden haben. Leider können wir Ihrer Argumentation nicht folgen, da wir uns viele Gedanken gemacht haben, wie wir unseren Titel effektiv schützen können. Es ist richtig, dass Sie beim Abspielen auf Ihrem PC ein Programm installieren (keine Spyware und kein Rookit) müssen, dass Sie wieder löschen können. Settec ist eine anerkannte Kopierschutz Firma, die vertraglich verpflichtet ist, email Adressen ausschließlich für die Verwendung des Kopierschutzes zu gebrauchen.

Die Produktion von aufwendigen Filmen, wie z.B. 'Mr. & Mrs Smith', setzt voraus, dass über die verschiedenen Auswertungsstufen (Kino, DVD, TV) Erlöse erzielt werden, um diese zu finanzieren. Werden diese nicht mehr erzielt, stirbt die Filmvielfalt und ein wichtiger Bestandteil unserer täglichen Unterhaltung. Der einzelne Endkunde - so wie Sie - trägt mit seiner bezahlten Verleihgebühr oder dem Kauf einer DVD mit dazu bei, dass aufwendige Produktionen finanziert werden können. Wir gehen davon aus, dass Sie ein Filmfan sind und die hohe Qualität der Kinowelt/Arthaus Filme zu schätzen wissen. Trotz der Unannehmlichkeit, ein Schutzprogramm zum Abspielen der DVD 'Mr. & Mrs. Smith' installieren zu müssen, hoffen wir, Sie auch in Zukunft als Kunden für unsere Produkte behalten zu können.

Mit freundlichen Grüßen

 

8.2.2006: Empfehlung an Windows-User: Autostartfunktion bei CD-Laufwerk abschalten

Die Autostart-Funktion von CD- und DVD-Laufwerken bewirkt z.B. daß beim Einlegen einer CD (bzw. DVD) ein Programm gestartet wird, das sich auf dieser CD befindet. So sieht man z.B. bei Installations-CDs gleich, was man denn nun machen kann. Das war lange Zeit eine nette Vereinfachung, aber heute nicht mehr.

Heute ist die von CDs und DVDs ausgehende Gefahr für die Betriebssicherheit so groß geworden, daß man auf die Bequemlichkeit besser verzichten sollte. Mehr und mehr CDs und DVDs bringen sogenannte "Kopierschutzprogramme" mit, die sie über die Autostartfunktion des Laufwerks installieren, manchmal mit Zustimmung des Users, manchmal ohne. Die Programme verwenden häufig dieselben Techniken wie Viren, Trojaner und andere Schadsoftware: Sie verstecken sich vor den Hilfsprogrammen von Windows, sie lassen sich nicht deinstallieren, sie greifen tief ins System ein, klinken sich in laufende Programme ein, verlangsamen den Betrieb, durchsuchen den Rechner, telefonieren übers Internet "nach Hause". Was wird z.B. passieren, wenn man mehrere solche "Kopierschutzprogramme" nebeneinander installiert hat, die sich womöglich untereinander um irgendwelche Dateizugriffe oder um das Einklinken in laufende Programme streiten?

Man kann die Autostartfunktion unter System/Hardware/Gerätemanager unter den Eigenschaften des Laufwerk abschalten. (Falls man das eines Tages nicht mehr kann, empfehle ich, zu Linux zu wechseln, ich z.B. lebe davon, daß ich Linuxrechner installiere, in Hamburg und Umgebung.)

 

5.2.2006: BMW (bmw.de) ist aus Google rausgeflogen

BMW hatte seine Seiten so gestaltet, daß der Googlebot Probleme damit hatte ("Bot" ist Jargon für "Roboter"): Die Seiten funktionierten nicht ohne Javascript , aber der Googlebot kann kein Javascript. Irgendwann ist ihnen aufgefallen, daß sie in Google gar nicht in den Suchergebnissen auftauchten bzw. nicht auf der ersten Seite, sondern weit unten.

Daraufhin hatten sie eine geniale Idee: Es gibt ja Seiten, die machen "Suchmaschinen-Optimierung" ( cloaking ) und stehen deshalb in Google ganz oben. Das sind z.B. Pornoseiten oder Linkfarmen. Also sagten sich die Webmaster bei BMW: Das ist unsere Lösung. Und sie setzten auf die Seite, die sie Usern anbieten, die Javascript nicht eingeschaltet haben, viele, viele Stichworte. Der Googlebot kann kein Javascript, also sieht er nur diese Seite, und - voilà, schon standen sie auf Platz 1.

Allerdings haßt Google Suchmaschinen-Optimierer, weil sie Seiten auf gute Plätze hieven, nach denen die User gar nicht gesucht haben. Suchen Sie z.B. mal nach Wörtern wie "Monitor", "Grafikkarte" oder "Gebrauchtwagen": da kriegen sie erstmal 20 Linkfarmen mit "Preisvergleich Gebrauchtwagen", die aber - ganz komisch - gar nicht so richtig zum Ziel führen. Es sind nämlich in Wirklichkeit Seiten von Firmen, die per Spam anbieten: "Wir machen Ihre Homepage populär - und gar nicht teuer", und dann setzen sie Links darauf auf ihre Linkfarmen. Dann kriegen die Betreiber der Homepage viele Zugriffe, allerdings von Usern, die nach ganz anderen Dingen gesucht hatten. Dann ärgern sich die User über Google, und wechseln vielleicht sogar irgendwann die Suchmaschine, und das findet Google gar nicht witzig.

Deshalb fliegen Seiten, die Merkmale von Suchmaschinen-Optimierung enthalten, ruckzuck aus Google heraus. Bis vor kurzem traf es nur englischsprachige Seiten, aber nun sind auch andere Sprachen dran. Und BMW ist vorerst das populärste Opfer. Sie tun mir aber gar nicht so richtig leid, wahrscheinlich, weil ihre Seiten wirklich eine Plage sind für jemanden, der aus Sicherheitsgründen Javascript ausschaltet. (Meldung bei heise.de: http://www.heise.de/newsticker/meldung/69230 )

Ist es nicht peinlich für eine wirklich große Firma, daß sie sich keine fähigen Webmaster leistet, sondern irgendwelche Idioten beschäftigt, die ihre Webmaster-Künste an Pornoseiten eingeübt haben? Und schon lacht das halbe Internet über BMW. So schnell geht das heutzutage.

 

4.2.2006: Raubkopierer-Spot auf DVDs

Man wird neuerdings von der DVD nicht mehr begrüßt mit "Danke, daß Sie unsere DVD gekauft haben", sondern mit "Sie sind ein Verbrecher, wenn sie 'downloaden', und sie gehören in den Knast, und wir verklagen Sie auf Schadenersatz." Auf normalen Playern kann man das wahrscheinlich noch nicht einmal überspringen. Im Kino wird man offenbar auch mit diesem Unsinn bedröhnt. Ich weiß ja nicht, wie es Ihnen geht, aber ich fühle mich durch sowas beleidigt. Die 'Rechteinhaber' nehmen mein Geld, und dann beißen sie die Hand, die sie gefüttert hat.

Darüberhinaus wendet sich der Spot "Download ist illegal" an den Falschen, nämlich an den DVD-Käufer. Derjenige, der einen Film herunterlädt, sieht gar nichts von dem Spot. Sie sollten lieber Spots drehen "Rippen und zum Download anbieten ist illegal". Bei der derzeitigen Rechtslage hätten sie sogar recht damit. Ich halte es aber trotz allem für eine ausgesprochen dämliche Idee, den braven DVD-Käufer zu bedrohen und mit Kraftausdrücken zu belegen, sobald er seine DVD einlegt. Mich jedenfalls sind sie als Kunden los. Das bin ich meiner Selbstachtung schuldig.

Update: Nachdem ich den Spot inzwischen so zwanzig- bis dreißigmal gesehen habe, kommt bei mir noch eine völlig andere Botschaft an. Es ist eine sehr bemerkenswerte Erfahrung, die ich gerade durchmache: Wenn man zu oft als "Verbrecher" bezeichnet wird, verändert sich die Einstellung gegenüber Gesetz und Recht. Ich bekomme langsam das Gefühl, ich gehörte tatsächlich zu den "Verbrechern", und das Gesetz sei nicht auf meiner, sondern auf der Seite meiner Feinde. Ist das nicht interessant? Bisher kannte ich diesen Effekt nur aus pädagogischer Literatur und sehr begrenzt aus meiner Erfahrung als Lehrer: Wenn man zu Schülern sagt: "Ihr seid die schlechteste Klasse," dann reagieren sie gekränkt und trotzig: "Wir sind ja die schlechteste Klasse, also können wir uns auch so benehmen." Recht haben sie.

 

4.2.2006: Der Raumschiff-Western "Firefly" von Joss Whedon

Es gibt einen DVD-Titel, da bringt mich der Raubkopierer-Spot in genau die richtige Stimmung, um den Film erst so richtig genießen zu können: "Firefly" ( bei amazon.de ). Da geht es nämlich um Outlaws, die von Gelegenheitsjobs leben, die manchmal legal sind und manchmal auch nicht. Und auch sie werden von einer übermächtigen Organisation verfolgt, bedroht und schikaniert. Weil das Spektakel von Joss Whedon (bei imdb.com ) gemacht ist, handelt es sich um Science-Fiction, teils mit Raumschiffen, teils mit Wildwest-Szenen. Es ist der Han-Solo-Teil von Star-Wars, der hier ausgesponnen wird. Und vor diesem Hintergrund wird die Geschichte von neun sehr verschiedenen Menschen erzählt, die zusammen ihren Weg durchs Leben suchen. Die DVD-Box enthält 14 Folgen, nach der Hälfte von Folge 1 (dem Pilotfilm) hatte die Serie mich am Haken.

 

20.1.2006:  "Antispyware" = Spyware?

Auf Mark Russinovichs Blog steht (schon seit dem 3.1.) ein interessanter Beitrag zum Thema "Was haben Antispyware-Hersteller mit Spyware zu tun".

Seit den ersten Antivirenprogrammen gibt es die Theorie, die Antivirenhersteller würden die Virenprogrammierer bezahlen, um etwas zum Finden zu haben. Russinovich glaubt nicht daran. Spätestens seit man mit Viren (etc.) Geld verdienen kann, habe ich die Theorie ebenfalls aufgegeben.

Aber auf bestimmte Antispyware-Hersteller scheint die Theorie nun doch noch zuzutreffen. Russinovich berichtet über Webseiten, die den User erst infizieren (oder auch nicht), ihn zum Download eines Scannerprogramms überreden, welches dann (auch auf ganz frisch installierten Rechnern) zahlreiche Infektionen "findet", und ihm dann ein Desinfektionsprogramm verkaufen will.

Es sieht so aus, als handele es sich um einen ganzen Ring von Anbietern, die die gleichen Techniken benutzen. Man sollte sich zumindest mal die Bilder ansehen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wie es aussieht, wenn man an einen "von den bösen Jungs" gerät. (Der Artikel ist auf Englisch): http://www.sysinternals.com/blog/2006/01/antispyware-conspiracy.html

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