6.5.2010

2007

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29.12.2007: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/12/28/sandra-model2mpeg/

Nehmen an, was ja nicht schwierig ist, ein Internetnutzer interessiert sich nicht für Kinderpornografie. Aber für legale Pornografie, was ja vorkommen soll. Wie groß ist sein Risiko, ins Visier der Kinderporno-Fahnder zu geraten? Hierzu ein aktuelles Beispiel:

Einer von 2500 Usern eines Porno-Forums postet ein Link zu einer Datei mit kinderpornografischem Inhalt, wobei das Link nicht erkennen läßt, wohin es führt, die Polizei ersetzt die Datei durch eine legale Datei und legt sich auf die Lauer. Jeder, der auf diese Datei stößt, egal, ob durch dieses Link oder woher auch immer, bekommt eine Hausdurchsuchung.

Unser Pornofreund hat sich jedenfalls über die strafrechtlich nicht relevante Videodatei Sandra-model2.mpeg gefreut. Bis er die Polizei im Hause hatte und nicht einmal ansatzweise nachvollziehen konnte, was die von ihm wollte. Bei der Durchsuchung machten die Beamten noch wichtige Gesichter. Später nur noch lange, denn sie fanden nur unzählige Dateien vom Schlage Sandra-model2.mpeg. Aber keine einzige mit Kinderpornografie.

Auf ihrer Jagd nach Beute produziert die Polizei immer wieder tausende unschuldige "Verdächtige", erzählt Ehepartnern, Arbeitgebern und Nachbarn konstruierte Unterstellungen und zerstört Lebensläufe. Die Aufgabe der Polizei besteht offenbar darin, die Gesellschaft zu zerstören. Politisch gesehen sollte ich mich eigentlich freuen: Umso eher kommen die Aufstände.

Nur einen kleinen Schritt weiter gedacht: Es gibt bekanntlich Feuerwehrmänner, die (in Zivil) Feuer legen und sich dann alarmieren. Es würde mich nicht wundern, wenn der "eine User von 2500" ein getarnter Polizist war.

 

26.12.2007: Bankendomino: Als nächstes sind die Kreditausfall-Versicherer dran

Eine Website von Befürwortern des Goldstandard sagt voraus: die nächsten Opfer der sich ausweitenden Kreditkrise sind die "Bond Insurer". Der größte von ihnen, MBIA, könnte in den nächsten Tagen sein "AAA Rating" (die höchste Bewertungsstufe) verlieren. Das könnte einen neuen Dominoeffekt auslösen. Betroffen wären fast alle Geldmarktpapiere.

MBIA hat für 8,1 Mrd. Dollar CDOs (forderungsbesicherte Schuldverschreibungen) versichert, die ihrerseits mit CDOs besichert sind. Sie werden "CDOs zum Quadrat" genannt und sind noch unsicherer als normale CDOs. Das Anlegerkapital von MBIA beträgt 6,5 Mrd. Dollar, d.h. sie haben mehr von den hochriskanten Papieren versichert als sie an Kapital haben. Insgesamt haben sie Papiere für 30 Mrd. Dollar versichert. Die erwarteten Verluste werden (von "dem Markt") auf 7,5 Mrd. Dollar geschätzt. Der Kurs von MBIA ist um 73 Prozent gefallen.

http://www.moneyandmarkets.com/issues.aspx?Ratings-Collapse-4

Here's what's happening:

First, MBIA, the world's largest bond insurer, is on the verge of losing its triple-A rating.

Second, that single event could trigger a veritable ratings collapse - downgrades on the one hundred and seventy-three thousand municipal bonds, mortgage-backed securities and other collaterized debt obligations (CDOs) that MBIA guarantees.

Third, the three other large bond insurers - Ambac, FGIC and CIFG \u2014 could also lose their triple-A ratings, spreading the crisis to nearly all of the nation's $2.3 trillion of insured securities.

Fourth, since lower-rated bonds are invariably lower-valued bonds, when they're downgraded, there will be an across-the-board downward adjustment in bond prices - a bond market crash.

Fifth, investors may begin to seriously question Wall Street's entire system for rating the nation's $2.6 trillion in municipal bonds ... $10.6 trillion in corporate bonds ... and $1.9 trillion of commercial paper and other money market instruments.

http://biz.yahoo.com/rb/071220/mbia_cdos.html

MBIA's CDO exposure is the latest sign that pristine top ratings of bond insurers are in jeopardy of downgrades by rating agencies.

Triple-A ratings are a core part of the business model for the industry, and lower ratings may cause a ripple effect that forces more Wall Street banks to take billions of dollars of losses on the insured securities.

Vielleicht ist es auch mehr als ein "Kräuseleffekt", vielleicht ein Tsunami.

 

26.12.2007: "Schon als Adressat solcher Mails kann man ins Visier der Ermittler geraten"

sagte der Oberstaatsanwalt Peter Vogt aus Halle zu allen, die unerwünschte Massen-Emails, genannt "Spam", erhalten, und das ist praktisch jeder, der eine Email-Adresse hat. Das sind heute die feuchten Träume der deutschen Behörden: Jeder ist verdächtig.

http://antiterror.blog.de/2007/12/25/verdachtig_nachtrag~3489013 Ob das wirklich ein "Riesiger Kinderporno-Skandal" ist,wie der SPIEGEL schreibt, ist wohl noch nicht sicher. Denn auf diesem Server gab es wohl jede Menge pornografischen Materials, nur ein Teil davon hatte mit Kindern zu tun. Verdächtig ist zur Zeit aber jeder, der auf diesen Server zugegriffen hat. Unter den 12.000 Verdächtigen werden sich daher wahrscheinlich viele finden, die an dem kinderpornografischen Material überhaupt kein Interesse hatten und davon noch nicht einmal wussten.

http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/12/25/vom-himmel-in-die-holle/ Einige zehntausend solcher Fotos fand die Polizei auf der Festplatte meines Auftraggebers. Das reichlich bemühte Fazit der Auswerter, wenigstens ein halbes Dutzend der knapp 50.000 Bilder könnte vor Gericht als kinderpornografisch durchgehen, teilte der Staatsanwalt nicht. Es handele sich um legale Inhalte. Für Moral seien die Ermittlungsbehörden nicht zuständig. Der Staatsanwalt stellte das Verfahren ein.

Da hatte der Mann aber schon seinen Job und seine Familie verloren. Soviel zum Thema "Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten." Ich kann nur davor warnen, im Internet im Augenblick nach Pornografie jeder Art auch nur zu suchen. Die deutschen Behörden sind in diesen Zeiten vollkommen unberechenbar und äußerst gefährlich.

 

26.12.2007: Die Polizei erschießt am Heiligabend einen depressiven Rentner in seiner Wohnung

http://www.baz.ch/news/index.cfm?keyID=6BF9B4A6-7C45-4B8B-AAC0F6F27F40F7A6&startpage=1&ObjectID=11BA9273-1422-0CEF-70F920BF85BA9012 Ein Spezialeinsatzkommando der deutschen Polizei hat im südhessischen Heppenheim an Heiligabend einen offenbar psychisch kranken Mann erschossen. Der 66-Jährige hatte sich in seiner Wohnung über Stunden verbarrikadiert, mit einem Blutbad gedroht und die Beamten schliesslich mit Messern bedroht, wie die Polizei am Dienstag mitteilte. Beim Zugriff wurde der Mann getroffen, er starb noch in seiner Wohnung.

Die Nachbarn rufen die Polizei, weil sie sich Sorgen machen um jemanden, der in seiner Wohnung sinnlos herumbrüllt. Die Polizei dringt mit Gewalt in die Wohnung ein, er flüchtet in die Küche und verschanzt sich, sie rufen das SEK, das stürmt die Küche und erschießt ihn "in Notwehr".

"Sie liefern ihm sein Weihnachtsgeschenk direkt ins Herz, und er bedankt sich nicht mal," brummelt jemand vor sich hin.

 

24.12.2007: Warum die CIA die Folterbänder gelöscht hat

http://www.cnn.com/2007/POLITICS/12/21/cia.tapes/index.html [former CIA officer] "Kiriakou last week spoke with media agencies, including CNN. He said U.S. interrogators drew valuable information from Zubaydah by 'waterboarding' him. Kiriakou also said the procedure amounts to torture and should be retired."

Das klingt so gut, das ist zu schön, um wahr zu sein.

Was sie darüber erzählen, ist: Ein gefangener hoher Al-Quaida-Anführer habe sie verspottet und ihnen nur Lügen erzählt, dann haben sie "Waterboarding" angewandt, es sei gewesen, als habe man "einen Schalter umgelegt", er habe ihnen dann "wertvolle Informationen" gegeben, die zur Verhaftung eines weiteren Anführers geführt haben, und auch bei diesem (und einem dritten) habe das Waterboarding zur Erlangung wertvoller Informationen geführt.

http://news.yahoo.com/s/ap/20071211/ap_on_go_co/cia_videotapes_133;_ylt=ApArQXE2CX8a6qTZYc2qKHSMwfIE In Zubaydah's case, Kiriakou said the waterboarding had immediate effect.

"The next day, he told his interrogator that Allah had visited him in his cell during the night and told him to cooperate," Kiriakou said in an interview first broadcast Monday evening on ABC News' World News. "From that day on, he answered every question. The threat information he provided disrupted a number of attacks, maybe dozens of attacks."

Ich bin sicher, die Bänder waren schockierend und hätten zu einem Aufschrei der Empörung in sämtlichen Medien geführt. Aber wenn das darauf zu sehen und zu hören war, was sie jetzt sagen, warum haben sie sie dann gelöscht? Müßten nicht gerade diese Bänder ein Beweis für den verhörmäßigen Wert der Folterung besonders verstockter Gefangener sein?

Was sie über die Geheimhaltung der Bänder gegenüber dem Untersuchungsausschuß sagen, ist: Sie haben die Aufforderung, alles zu übergeben, was sie zum Thema "Al-Quaida" hatten, so verstanden, daß die Bänder damit nicht gemeint gewesen seien. Das ist eine offensichtliche Lüge. Und über die Löschung haben sie gesagt: Wir meinen, das war ganz in Ordnung so. Das ist auch eine offensichtliche Lüge.

Das Ganze läßt nur einen Schluß zu: Auf den Bändern war nicht das, was sie behaupten, sondern etwas Anderes. Die Bänder müssen ein Beweis dafür gewesen sein, daß eben nicht "wertvolle Informationen" gekommen sind, sondern Müll. Die Bänder müssen gezeigt haben: die Gefolterten haben alles "gestanden", was ihnen in den Mund gelegt wurde, auch wenn es der größte Blödsinn war.

Man weiß von den Hexenprozessen, daß die angeklagten Hexen unter der Folter ebenfalls alle Vorwürfe von Hexerei und Teufelskontakten "gestanden" haben. Man weiß aus Erzählungen von Folteropfern in der Türkei, daß die auch alles gestanden und bestätigt haben, was ihre Folterer hören wollten, daß sie in ihrer Not sogar die Namen von irgendwelchen Nachbarn "verraten" haben (was zu neuen Verhaftungen und Folterungen geführt hatte).

Die Bänder müssen gezeigt haben: Die Folterungen haben die Gefangenen für nachfolgende Verhöre vollkommen unbrauchbar werden lassen. Kein Verhörspezialist war hinterher noch in der Lage, Lüge, Erfindung und Wahrheit auseinanderzuhalten. Sie haben durch die Folterungen "wertvolle Informationen" nicht erlangt, sondern verschüttet.

Die Bänder müssen die CIA-Spezialisten dargestellt haben wie verbohrte und grausame Idioten, die alles falsch gemacht haben. Dann ergibt das Löschen auch Sinn: Es ist nicht die Folter, die sie verstecken wollen. Sie wollen verstecken, wie blöd sie sind.

 

23.12.2007: Neues britisches Behörden-Hobby: Daten-CDs verlieren

Es ist kaum zu glauben: Schon wieder verlieren britische Behörden CDs mit persönlichen Daten von Bürgern.

"Unter anderem sei eine CD mit Informationen über 160.000 kranke Kinder auf dem Weg in eine große Londoner Klinik spurlos verschwunden." http://www.tagesschau.de/ausland/datenverlust8.html

 

21.12.2007: Pflegeeltern besser als Waisenhaus

Kinder werden intelligenter, wenn sie liebende Eltern haben. Wer hätte das gedacht ohne eine wissenschaftliche Untersuchung:

http://ap.google.com/article/ALeqM5gsqQ1c2wQoevMuODoXfV6p1O1vbQD8TLD4G80

Toddlers rescued from orphanages and placed in good foster homes score dramatically higher on IQ tests years later than children who were left behind, concludes a one-of-a-kind project in Romania that has profound implications for child welfare around the globe.

The boost meant the difference between borderline retardation and average intelligence for some youngsters.

Most important, children removed from orphanages before age 2 had the biggest improvement - key new evidence of a sensitive period for brain development, according to the U.S. team that conducted the research.

 

21.12.2007: Aus dem Auto steigen, abschließen, weggehen: Terrorverdacht

Im Gegensatz zu der Al-Gore-Geschichte ist dies hier tatsächlich echt: Die Stadt Chicago fordert die Bürger auf, jeden zu melden, der

  • sich Notizen macht,
  • einen Stadtplan benutzt,
  • fotografiert,
  • etwas auf Video aufnimmt,
  • durch ein Fernglas sieht,
  • seinen Ausweis als gestohlen meldet,
  • oder sein Auto irgendwo stehenläßt.

http://webapps.cityofchicago.org/ChicagoAlertWeb/resources/pdf/WinterHolidayPublicAwareness.pdf "It is important to immediately report any or all of the below suspect activities.
    Physical Surveillance (note taking, binocular use, cameras, video, maps)
    [...]
    or abandoning potential containers for explosives (e.g., vehicles, suitcases, etc)
    Suspicious reporting of lost or stolen identification"

Ein Kandidat für einen Schäuble-Award erster Klasse.

 

21.12.2007: Al Gore verklagt "Time Magazine"

Das Time Magazine hat Vladimir Putin zum "Mann des Jahres" gewählt. Gore verklagt deshalb das Time Magazine auf Neuauszählung der Stimmen. http://newsbusters.org/blogs/noel-sheppard/2007/12/19/satire-gore-sues-time-person-year-recount

(Falls jemand sich nicht mehr erinnert: Gore hatte seinerzeit die Präsidentenwahl gegen Bush verloren, eine Neuauszählung vor Gericht durchgesetzt und erneut verloren, wenn auch unter höchst dubiosen Umständen.)

 

20.12.2007: Europäische Zentralbank erschafft 500 Milliarden Dollar

An dieser Meldung war eigentlich nur die Höhe der Summe bemerkenswert. Bisher betrugen die Liquiditätsspritzen der Banken maximal 100 Milliarden. Aber wenn man die Bilanz der EZB sieht (die die Geldspritzen nicht enthält), wird es interessant (alles in Millarden Euro):

Dezember Bilanzsumme "Other Assets"   Bargeldumlauf
2007 1340 320 660
2006 1140 220 630
2005 1020 140 570
2004   880 120 500
2003   840 120 440
2002   830   90 380
2001   810   90 280
2000   840   90 370
1999   800   80 370

Quelle: http://www.ecb.int/press/pr/wfs/2007/html/fs071218.en.html

Offiziell heißen die Geldspritzen "Kredite", so daß man annehmen sollte, sie müßten wieder zurückgezahlt werden. Das ist aber so nicht ganz richtig.

Den Banken brechen im Augenblick die Sicherheiten weg, mit denen sie ihre "neuartigen Wertpapiere" abgesichert hatten. Die Sicherheiten sind ihrerseits neuartige Wertpapiere, deren Wert ebenfalls mit solchen Wertpapieren abgesichert sind. Anfangspunkt der Kette waren die "Subprime Mortgages" (Hypotheken mit hohem Ausfallrisiko), Endpunkte waren Kredite, die von den Eigentümern der neuartigen Wertpapiere (darunter viele Banken) aufgenommen und mit diesen Wertpapieren abgesichert waren.

Die aufgenommenen Kredite waren kurzfristig, und ständig laufen welche davon aus. Bisher konnten sie immer problemlos erneuert werden, aber nun nicht mehr, weil die Pakete der Subprime Mortgages nun plötzlich keine Käufer mehr finden bzw. niemand will darauf mehr Geld verleihen.

Und da springen jetzt die Zentralbanken ein und erneuern die fälligen Kredite. Auch diese Kredite werden bald wieder fällig und müssen erneuert werden. Die Geldspritzen sind also doch dauerhaft gebunden und keine befristeten Hilfen.

Die Hoffnung ist wahrscheinlich, das verlorene Geld der Subprime Mortgages zurückzuverdienen, dadurch die schlechten Sicherheiten durch richtiges Geld ersetzen und so das Spiel weiterspielen zu können. Der Haken ist: Die Mechanismen der Investmentbanker funktionieren nicht mehr. Alle Investoren mißtrauen jetzt den neuartigen Wertpapieren. Die einzigen, die noch kaufen und leihen, sind die Zentralbanken, also praktisch die Steuerzahler.

 

20.12.2007: Zwangsrepublik Deutschland: Kinder zum TÜV

  • 1. Tag
  • 3.- 10. Tag
  • 4.- 7. Woche
  • 3.- 4. Monat
  • 6.- 7. Monat
  • 10.- 12. Monat
  • 20.- 24. Monat
  • 2.- 4. Jahr
  • 44.- 48. Monat
  • 60.- 66. Monat
  • 7. - 8. Jahr
  • 9. - 10. Jahr
  • 14. Jahr
  • 16. - 18. Jahr

Quelle: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,524441,00.html

 

19.12.2007: "Die Beamten wissen genau, daß sie rechtswidrig handeln"

http://www.jungewelt.de/2007/12-18/028.php "Polizei und Staatsanwaltschaft wissen, daß es in der konkreten Situation sehr schwierig ist, juristisch zu intervenieren. Beiden ist völlig klar, daß ihr Vorgehen möglicherweise rechtswidrig ist - aber sie wissen auch, daß zwei bis drei Jahre bis zu einer entsprechenden Gerichtsentscheidung vergehen. Das einzige, was man dann in der Hand hat, ist die nachträgliche Bestätigung, daß es rechtswidrig war. Die Polizei weiß das genau, sie sagt auch ganz offen: Verklagt uns doch bitte, aber erst einmal machen wir das so, wie wir wollen."

Die Polizei nutzt die Gegebenheiten des Rechtssystems zur Begehung von Gesetzesbrüchen. Das ist keine Polizei mehr, dafür ist selbst der Ausdruck "Bullen" zu schade, das sind nur noch Banditen.

 

19.12.2007: Für Verdächtige gibt es in der BRD keine Privatsphäre

http://schieflage.blogspot.com/2007/12/willkommen-in-der-bastille.html Erinnerung an die guten alten Zeiten in der DDR - heimliche Wohnungsdurchsuchungen und heimliche Videoüberwachungen innerhalb von Wohnungen Verdächtiger und präventives Telefonabhören auch bei Menschen, bei denen es keinerlei handfeste Hinweise gibt, dass sie eines Verbrechens verdächtig sind.

Ich habe auch das Gefühl, wir leben so ungefähr am Ende des römischen Reiches oder am Vorabend der französischen Revolution. Das Ereignis, das den Anlaß zum Ausbruch gibt, könnte diesmal der Zusammenbruch des US-Dollars sein. Und das kann ja nun wirklich nicht mehr allzu lange dauern.

 

18.12.2007: Wer hat Angst vor der Vorratsdatenspeicherung

Großbritannien: Behörden verschlampen Millionen vertrauliche Daten

Seit Mai suchen die Behörden nach einer CD mit den Daten von 3 Millionen Fahrschülern. Das wäre dann die elfte verlorene CD innerhalb von ein paar Monaten, oder so. Quelle: http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,523948,00.html

Japan: Rentendaten von 65 Millionen verschwunden

"Mitte des Jahres musste die Regierung Probleme mit den Rentendaten von Millionen Staatsbürgern zugeben. Schlecht programmierte Software und schlampige Beamte hatten das gesamte System durcheinander gebracht. Rund 65 Millionen Datensätze konnten nicht mehr korrekt zugeordnet werden." http://www.spiegel.de/netzwelt/tech/0,1518,523769,00.html

 

16.12.2007: Zwölffacher Overkill beim globalen Finanzkapital

"Derivate" sind Wertpapiere, die von anderen Wertpapieren "abgeleitet" sind. "Investmentbanking" ist die Kunst, immer neue Derivate zu erfinden und dann Dumme zu suchen, denen man sie andrehen kann, und die dann glauben, sie hätten ihr Geld gut angelegt.

Die Investmentbanker waren nun etwa zwanzig Jahre lang die strahlenden Helden des globalen Finanzkapitals. Da werden noch richtige Gewinne gemacht, hieß es. Da gibt es fette Prämien und Provisionen zu verdienen, hieß es. Eine Menge Leute sind stinkreich geworden in den letzten zwanzig Jahren.

In den Achtiger Jahren, bevor die Abrüstung in Gang kam, als der Weltfrieden für kurze Zeit ernsthaft bedroht erschien, geisterte eine Zahl durch die Medien: Die Sprengkraft aller vorhandenen Atomwaffen sollte für 100 Milliarden Menschen ausreichen. Das war ungefähr der sechzehnfache Overkill.

Das globale Bruttosozialprodukt beträgt laut dem Fischer-Almanach etwa 34.500 Milliarden Dollar pro Jahr. Im Juni 2007 erschien eine Untersuchung der US-Investmentbank "Morgan Stanley", die schätzte, daß auf der Welt 415.000 Milliarden Dollar in Form von Derivaten existieren. Das ist ungefähr der zwölffache Overkill.

415.000 Milliarden Dollar sind gierig auf Zinsen und wollen dringend ausgeliehen werden. Das erklärt ja so Einiges, z.B. die Leichtigkeit, sich jeweils ein paar hundert Millionen Dollar Kredit zu verschaffen, um die spektakulären Firmenübernahmen der letzten Jahrzehnte zu ermöglichen. Es erklärt auch, warum die Banken bei der Vergabe von Krediten immer leichtsinniger wurden, bis zum Schluß schon Kreditnehmer per Massen-Email gesucht wurden.

Es erklärt auch, warum kurzfristige Kredite billiger geworden waren als langfristige Hypothekenkredite. Dem Hauseigentümer kann man höhere Zinsen abverlangen, sobald die erste Frist der günstigen Festzinsen abgelaufen ist.

Glücklicherweise ist ein sehr großer Teil der nun vorhandenen Derivate von Hypothekenkrediten abgeleitet worden, und glücklicherweise sind ungefähr 400 Milliarden Dollar davon wahrscheinlich zum größten Teil verloren. Und es sind nicht nur diese 400 Milliarden verloren, sondern es wird geschätzt, daß weitere Kredite, die erst mit den ursprünglichen 400 Milliarden und dann mit den neuen Kreditforderungen Stufe für Stufe immer wieder "abgesichert" worden waren, viel, viel größer sind. Und diese Kredite werden im Laufe des nächsten Jahres alle nacheinander fällig. Und sie werden natürlich dieses Mal nicht erneuert, die Sicherheiten sind ja futsch.

Ich hoffe nun eigentlich, daß ein möglichst großer Teil der vorhandenen Derivate tatsächlich von den verlorenen Hauskrediten abgeleitet worden ist. Wenn wir Glück haben, wird der Dollar 1:100 abgewertet. Dann sind alle Länder pleite, die eine "Trillion" Dollar im Safe haben. Deutschland gehört dazu. Das wird sicher interessant.

 

12.12.2007: EU-Wahnwitz: Die Natur produziert zuviel Feinstaub

Unter http://www.env-it.de/ - Luftdaten - Feinstaub kann man täglich eine Grafik abrufen mit einer Übersicht über die Feinstaubkonzentration über der Bundesrepublik. Ich sammle diese Bilder seit dem 17.5.2006. Werte von bis zu 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft sind normal.

Die EU hat nun beschlossen, den Grenzwert auf 25 Mikrogramm festzulegen. Das heißt im Klartext zum Beispiel: Wenn die Bäume blühen, ist Fahrverbot.

Die EU-Mitgliedsstaaten sollen möglichst schon ab 2010 den Ausstoß der Kleinstpartikel auf 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft begrenzen, verbindlich gilt der Wert ab 2015. Ab 2020 soll der Grenzwert auf 20 Mikrogramm sinken. [...] Mehrere Parlamentarier forderten die Kommission auf, möglichst bald Regulierungsvorschläge vorzulegen, um die Entstehung von Feinstaub - zum Beispiel durch Rußfilter für Lastkraftwagen und Schiffsmotoren - zu verringern. http://de.today.reuters.com/news/newsArticle.aspx?type=worldNews&storyID=2007-12-11T160947Z_01_NEI158176_RTRDEOC_0_EU-UMWELT-FEINSTAUB.xml

Unnötig zu erwähnen, daß in den Grafiken vom Umweltbundesamt keinerlei Zusammenhang von Straßenverkehr und Feinstaub zu erkennen ist. Das Ruhrgebiet z.B. hat nicht mehr Feinstaub als jede andere Region, eher weniger.

Meiner Meinung nach existiert das Feinstaub-Problem gar nicht in der Wirklichkeit, sondern es ist nur eines der zahlreichen Instrumente, mit denen die EU (und andere Politiker) uns lustvoll drangsalieren.

 

10.12.2007: Wer nichts zu verbergen hat, hat nichts zu befürchten?

Das ist ein schönes Beispiel für haltlose Verdächtigungen, denen man umso mehr ausgesetzt ist, je mehr Daten über einen gespeichert werden. Einfach so. Nur weil Daten gespeichert und versehentlich nicht wieder gelöscht worden sind. Gefunden bei: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/12/10/entscheidungserhebliche-tatsachen/

Wer am Flughafen arbeiten will, wird auf seine Zuverlässigkeit überprüft (§ 7 Luftsicherheitsgesetz). Da liest der Betroffene dann, an seiner Zuverlässigkeit bestünden Zweifel. Denn, so erfährt der überraschte Adressat, er sei schon mal "wie folgt strafrechtlich in Erscheinung getreten":

Erkenntnisquelle: LKA NRW
Datum: 22. März 2007
Aktenzeichen: Unbekannt (StA Duisburg)
Delikt: Verstoß gegen das BtMG
Verfahrensausgang: Unbekannt

Man könnte ja denken, dass sich die Behörde hier zunächst bemüht, Auskunft darüber zu erhalten, was hinter dem Unbekannt / Unbekannt steckt. Dazu hat sie die Befugnis, bei den zuständigen Stellen nachzufragen. Aber nein, stattdessen wird der Antragsteller belehrt:

Die Tatsache, dass Sie in o.g. Art und Weise auffällig wurden, ist im Rahmen meiner Prüfung von sicherheitsrelevanter Bedeutung und könnte dazu führen, dass ich Ihre Zuverlässigkeit nicht bejahen kann.

Und weiter:

"gebe ich Ihnen vor meiner Entscheidung die Gelegenheit, sich zu den für die Entscheidung erheblichen Tatsachen zu äußern."

Traurig dabei ist, dass es sich vermutlich nur um Datenspuren handelt. Der Antragsteller ist mal im Rahmen eines Konzerts kontrolliert worden; seine Personalien wurden notiert. Seitdem hat er nie wieder von der Sache gehört. Das spricht dafür, dass das Ermittlungsverfahren, so es denn jemals eines gab, mangels Tatverdachts eingestellt worden ist.

 

"Beleg für ein Drogengeschäft" (nochmal Lawblog)

Die Polizei ist schnell bei der Hand, abgehörte Telefongespräche einseitig zu interpretieren. Selbst dann, wenn sich ansonsten rein gar nichts Verdächtiges in der Akte findet. Manchmal kann man hierzu mit wenigen Worten Stellung nehmen:

"Auch die angebliche Äußerung des A., er habe W. noch eine Platte gebracht, ist kein Beleg für ein Drogengeschäft. Es gibt auch andere Platten, z.B. Kuchenplatten und Schallplatten."

Link: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/12/10/eine-platte/

 

10.12.2007: Seagate: die Festplatte nur für Windows

Externe Netzwerk-Festplatten von Seagate sind offenbar mit Absicht so konstruiert worden, daß sie nur mit Windows zusammenarbeiten. http://www.theinquirer.net/gb/inquirer/news/2007/12/06/seagate-snubs-linux

 

8.12.2007: Western Digital: die Festplatte als Blockwart

Externe Netzwerk-Festplatten von Western Digital blockieren den Zugriff auf Dateitypen mit Video- und Audioinhalten, wenn sie der Meinung sind, da könnten eventuell irgendwelche Rechte verletzt werden. Nach den vorliegenden Informationen darf man offenbar auch auf selbstgemachte Musik nicht zugreifen. http://www.computerworld.com/action/article.do?command=viewArticleBasic&articleId=9051599&source=NLT_SEC&nlid=38 http://www.first.org/newsroom/globalsecurity/182186.html http://www.gearlog.com/2007/12/western_digital_blocks_nas_fro.php#more

 

3.12.2007: Andrej H.

Das ist der Soziologe, gegen den seit über einem Jahr ermittelt wird, weil das BKA durch eine Google-Suche darauf gestoßen ist, daß er in einer Arbeit Wörter aus der Szene benutzt, an der er forscht, und zu der Szene gehört die "Militante Gruppe", die in Berlin Autos anzündet. Daraus schließt das BKA messerscharf: er muß der Häuptling sein.

Weil sie in der ganzen Zeit nichts gegen ihn gefunden haben, versuchen sie nun seit Monaten, ihn dadurch unter Druck zu setzen, daß sie ihn ganz offen auf Schritt und Tritt verfolgen und beobachten.

Der Ermittlungsrichter hat eine DNA-Probe angeordnet (siehe http://annalist.noblogs.org/post/2007/12/03/dna-proben ). Ich denke, wir sollten nicht ausschließen, daß sie die Probe evtl. benutzen wollen, um gefälschte Beweise herzustellen. Die wahrscheinlichere Variante ist aber wohl das, was "der Polizist" weiter unten gesagt hat: unter Druck setzen, weichkneten, um Geständnisse herauszulocken.

 

2.12.2007: Guantanamo

"Diejenigen, die sagen, Guantanamo ist nicht die richtige Lösung, müssen bereit sein, darüber nachzudenken was die bessere Lösung ist. Denn allein mit der Kritik ist kein Problem gelöst." Wolfgang Schäuble in der Tagesschau (zitiert bei http://blog.fefe.de/?mon=200712)

"Ergebnisse 1 - 10 von ungefähr 9.460 für Schäuble Guantanamo richtige Lösung." (google.de 2. Dezember 12:30)

Guantanamo findet der Herr Schäuble offenbar so richtig voll gut. Das finde ich moralisch verwerflich und politisch dumm. Die richtige Lösung für das Problem "Terrorismus" sind zwei Veränderungen:

Erstens das Gegenteil von Globalisierung: Regionalisierung und Dezentralisierung. Wenn die Verwaltungs-, Wohn- und Lebenseinheiten klein genug sind, daß jeder jeden kennt, können sich terroristische Zellen nicht mehr in der Anonymität verstecken.

Zweitens ein Sozialsystem, das auf Arbeit beruht und nicht auf Geld. Wenn jeder im Laufe seines Lebens eine gewisse Menge an Arbeitszeit einbringen muß, ist er gezwungen, die Anderen kennenzulernen, mit ihnen zusammenzuarbeiten und sich zu integrieren. (siehe auch: sozialsystem.html )

 

2.12.2007: Microsoft verschlüsselt mit XOR

Die Funk-Tastaturen von Microsoft verschleiern den Klartext nur minimal und sind von einer Schweizer Sicherheitsfirma als unsicher eingestuft worden. So richtig überraschend ist das ja nicht.

"Nach Angaben von Max Moser und Philipp Schrödel fiel die Entschlüsselung äußerst leicht, denn zum Verschlüsseln setzen die Geräte einen XOR-Mechanismus und Schlüssel mit lediglich einem Byte Länge ein." http://www.heise.de/newsticker/meldung/99864

 

2.12.2007: Da ist dem Polizisten ein kleines Dienstgeheimnis herausgerutscht

Da hat der Polizist gesagt: 'Aus diesem Grunde machen wir das, damit die Leute von der ganzen Situation her überfordert sind und dann Sachen ausplaudern, die sie sonst nicht sagen würden.' Schöne Methoden. Doch es gibt nichts auszuplaudern. Der Vater ist unschuldig. Nach fünf Stunden Hausdurchsuchung wird das langsam auch der Polizei klar. http://www.mdr.de/fakt/5039319.html

 

25.11.2007: Zweimal zwei und einmal sechs CDs verloren

25 million people have been put at risk from fraud after a Government official sent the entire child benefit database through the post. The names, addresses, National Insurance numbers and bank details of every single person who claims child benefit in this country are now lost in the post. http://www.countrylife.co.uk/news/article/158413/25_million_at_risk_from_fraud.html

Now two MORE discs containing personal data go missing at bungling Ministry of Mayhem. At least two more discs containing data that could put people at risk of ID fraud have been lost by Revenue and Customs, it has been revealed. http://www.dailymail.co.uk/pages/live/articles/news/news.html?in_article_id=495188&in_page_id=1770

Alistair Darling was at the centre of a new storm over the loss of personal data last night as The Times learnt that six more CDs containing confidential information were missing in the Revenue & Customs internal post. http://www.timesonline.co.uk/tol/news/politics/article2933796.ece

Vorschlag für eine neue Bekleidungsvorschrift für den britischen Öffentlichen Dienst:

CDs-verlieren

 

16.11.2007: Überfallen

Von hinten und ohne Vorwarnung rangen die Angreifer, es waren gleich fünf, den überraschten Benecke zu Boden. "Gesicht nach unten!" Sie legten ihn in Handschellen. "Dann fragten sie, ob ich Deutsch spreche und 'ne Waffe habe." Auch für die umstehenden Leute auf dem Bahnsteig ein Schock. "Denen war die blanke Panik ins Gesicht geschrieben", sagt Benecke. Vor aller Augen wurde der Madendoktor in die Höhe gerissen und abgeklopft. Seine einzige Waffe, eine Kamera, nahmen sie dem Hobby- Fotografen Benecke ab. "Weil ich sie zum Ausgleich ablichten wollte", sagt Benecke. http://www.berlinonline.de/berliner-kurier/print/berlin/195773.html

Das ist heute die Polizei in Deutschland. Man kann jederzeit von hinten überfallen, gefesselt und beraubt werden. Bekannt wird sowas wahrscheinlich nur, wenn der Überfallene zufällig weltberühmt ist.

Die Bomben der "Kofferbomber" haben nicht funktioniert. Die "Blondierungsbomber" hatten nie fertigen Sprengstoff. Aber Überfälle und Übergriffe von Polizisten auf harmlose Leute gab es schon zu Hunderten, und es wird immer schlimmer. Die Polizei ist zur Zeit sehr viel gefährlicher für Leben und Gesundheit der Bürger als der internationale Terrorismus. Das ist keine Polizei mehr, zu der ich noch Vertrauen haben könnte, das ist eine feindliche Truppe.

 

Vorfall in Hamburg vom 15.9.2007

Dann erlebte ich etwas, das ich in meinen schlimmsten Träumen nicht erwartet hätte. Die mich verhörenden zwei Beamten sprangen urplötzlich auf, zogen Pfefferspray aus der Gürteltasche und sprühten mir von zwei Seiten über einen längeren Zeitraum eine erhebliche Menge der Reizflüssigkeit auf Gesicht und Körper. [...] Reflexartig zog ich meine Hände vor das Gesicht und erhob mich vom Stuhl. Einer der Beamten brüllte etwas wie "Jetzt hören Sie endlich auf!" und "Lassen Sie das sein!". Ich schrie meinerseits unter Schmerzen, daß ich nicht verstehe, was das soll und keinen Widerstand geleistet habe und auch nicht vorhätte, das zu tun. Dann stürzten die beiden Beamten sich auf mich und drangsalierten mich, indem sie meinen Kopf auf den Boden schlugen. Sie zerrissen mein T-Shirt und legten mir Handschellen an. http://www.jungewelt.de/2007/09-19/111.php

 

13.11.2007: Die sanierte Bundesdruckerei

"Die ehemals hoch verschuldete, doch durch die Produktion der elektronischen Reisepässe sanierte Bundesdruckerei soll bei einem möglicherweise anstehenden Verkauf eine Milliarde Euro wert sein. Das berichtet die Süddeutsche Zeitung unter Berufung auf Stimmen aus dem Eigner-Umfeld." http://www.heise.de/newsticker/meldung/98814

 

13.11.2007 Guter Artikel zur Vorratsdatenspeicherung

Gesehen bei lawblog.de: http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/11/12/furcht-vor-dem-was-geschehen-konnte/

Er erläutert, wie in Zukunft jedes beliebige Verhalten, jede Angewohnheit und auch jede Änderung einer Gewohnheit noch Monate später nachträglich als "verdächtig" gedeutet werden kann: Wenn man nämlich zufällig irgendetwas genauso macht oder gemacht hat, wie irgendein Verbrecher.

Wie leicht man mit etwas bösem Willen alles, aber auch wirklich alles als "verdächtig" auslegen kann, haben wir ja in den letzten Wochen auf http://annalist.noblogs.org/ mehr oder weniger fassungslos gesehen.

 

13.11.2007: Die SPD verstößt bewußt gegen die Verfassung

"Trotz schwerwiegender politischer und verfassungsrechtlicher Bedenken werden wir im Ergebnis dem Gesetzentwurf aus folgenden Erwägungen zustimmen." http://dip.bundestag.de/btp/16/16124.pdf Seite 90

So beginnt die Erklärung der SPD-Abgeordneten zum Überwachungsgesetz. Und dann geht es weiter mit Argumenten, die die Verfassungswidrigkeit explizit benennen und begründen.

Artikel 1, Absatz 3 des Grundgesetzes lautet: "(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht." Meiner laienhaften Meinung nach bedeutet das, daß die Zustimmung der SPD-Abgeordneten nicht rechtswirksam war. Das Gesetz ist nicht wirksam verabschiedet worden.

Die SPD-Abgeordneten müssen aus dem Bundestag ausgeschlossen werden, weil sie einen Bruch des Grundgesetzes vorsätzlich begangen und sogar angekündigt und eingestanden haben. Ich bin ziemlich sicher, daß es irgendwo Vorschriften für unehrenhaftes Verhalten von Abgeordneten gibt. Meiner Meinung nach ist die einzig vernünftige Reaktion die Auflösung des Bundestages ohne sofortige "Neuwahlen". Sogar ein Verbot der Koalitionsparteien wegen verfassungswidrigen Verhaltens kommt in Frage.

Und dann brauchen wir eine allgemeine Direktwahl zu einer verfassungsgebenden Versammlung. Da dürfen sich aber nur Leute zur Wahl stellen, bei denen ein Konflikt zwischen Eigeninteresse und Gemeinwohl nicht zu befürchten ist. Ich selbst stelle mich natürlich auch zur Verfügung.

Die sollen uns mal eine neue Verfassung machen, wo all die neuen Erfindungen wie Internet, Gentechnik, usw. berücksichtigt werden. Da gehört zum Beispiel hinein ein "Recht auf ein unmanipuliertes Erbgut", "Recht auf unbelauschte Kommunikation", "Recht, nicht mit Kameras beobachtet zu werden" und ein "Recht, nicht digitalisiert und abgespeichert zu werden".

Meiner Meinung nach ist schon die geplante "lebenslange Steuernummer für jeden" ein Verstoß gegen die Menschenwürde. Menschen haben keine Nummern. Menschen haben Namen. Fertig.

Und aus technischer Sicht ist eine Vergabe von Nummern, auch "Kundennummern" ohnehin schon längst nicht mehr nötig. Jeder einfache PC hätte heute genügend Speicherplatz für sämtliche Namen und Adressen im Klartext. 80 Millionen mal 2 K sind zum Beispiel gerade mal 160 GB.

 

10.11.2007: Passive Bewaffnung

Ein Demonstrant steht vor Gericht, weil er bei seiner Festnahme auf einer Demonstration gegen den G-8-Gipfel einen Zahnschutz bei sich trug. [...] Der Schutz gilt als "passive Bewaffnung". http://www.welt.de/politik/article1346250/G-8-Gegner_wegen_Zahnschutz_vor_Gericht_.html

So ist das also. Sich davor zu schützen, daß einem Zähne ausgeschlagen werden, ist Widerstand gegen die Staatsgewalt. Der Staat betrachtet es als sein gutes Recht, seinen vermeintlichen oder tatsächlichen Gegnern Zähne auszuschlagen. Hatten wir das nicht schon mal?

 

31.10.2007: Schwerer Festplattenfehler im Apple MacBook

"Auf der Website von Retrodata wird angeführt, dass es sich um Seagate-Platten handelt, die in China hergestellt wurden und mit der Firmware 7.01 ausgestattet sind. Retrodata vermutet einen massiven Herstellerfehler, der dafür sorgt, dass der Lese-Schreibkopf versagt und die Oberfläche der Magnetscheiben zerkratzt." http://www.golem.de/0710/55697.html

Seagate hatte vor Jahren mal den Ruf, die besten, wenn auch nicht die billigsten Festplatten zu bauen. Aber dann haben sie sich auf ihren Lorbeeren ausgeruht. Wenn Seagate nicht umgehend diese Platten zurückruft, ist Ruf wohl endgültig im Eimer.

 

30.10.2007: Puddingpulver vergiftet zwei Postmitarbeiter

"Nachdem aus dem Brief das weiße Pulver herausgerieselt war, hatten in einer Postfiliale zwei Mitarbeiter über Übelkeit und Schwindel geklagt. [...] Warum die beiden Männer so heftig auf das Pulver reagierten, war zunächst völlig unklar. Die Experten des Landesuntersuchungsamtes wurden beauftragt, das Puddingpulver genauer zu untersuchen. Dies wird nach Angaben der Polizei mehrere Tage dauern." http://www.mittelbayerische.de/top_themen/artikel/deggendorf_postmitarbeiter_dur/152240/deggendorf_postmitarbeiter_dur.html

Was das mediale Dauerfeuer schon angerichtet hat. Demnächst funktioniert auch Voodoo.

 

12.10.2007: Staatsapparat verteidigt ungesetzliche Datenspeicherung

Die Bundesregierung hat eingeräumt, dass trotz gegenläufiger Urteile des Berliner Amts- und Landgerichts die "überwiegende Anzahl" der Bundesministerien und nachgeordneter Behörden IP-Adressen der Surfer aufbewahre. Es gebe Gründe für die Speicherung von Daten, betonte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Peter Altmaier (CDU), am gestrigen Mittwoch auf Anfrage der Grünen im Bundestag. http://www.heise.de/newsticker/meldung/97243

Wie in der DDR sind nun auch in der BRD die Behörden und die Beamten die Bösen.

 

6.10.2007: Neuer Internet-Explorer-Witz

Microsoft hat in den Internet-Explorer 7 ein nagelneues, fettes Sicherheitsloch eingebaut, aber sie fühlen sich für die Beseitigung wieder mal nicht zuständig.

Programme, die URLs verarbeiten, wie z.B. Skype, Instant-Messenger, Browser, Acrobat-Reader, können durch ein präpariertes Link in einem Dokument beliebige Programme in Windows aufrufen und so möglicherweise Viren installieren, etc.

"So betonte auch Jüri Shamov-Liiver, Skypes Leiter der Abteilung Produktsicherheit gegenüber heise Security, dass dies eigentlich ein Windows-Problem sei. Skype reiche die URL lediglich an das Betriebssystem weiter. Tatsache ist, dass Microsoft mit der Installation des Internet Explorer 7 unter Windows XP offenbar die Behandlung von URLs durch das Betriebssystem so geändert hat, dass spezielle Links, die ein %-Zeichen enthalten, direkt zum Aufruf beliebiger Programme führen können." http://www.heise.de/newsticker/meldung/96921

"Das Problem ist nicht auf mailto:-URLs beschränkt. Selbst die Eingabe von
http:%xx../../../../../../../../../windows/system32/calc.exe".cmd
unter "Start/Ausführen" startet den Taschenrechner."

 

3.10.2007: Auch andere Behörden speichern gesetzwidrig

"Mit Urteil vom 27.03.2007 untersagte das Amtsgericht Berlin Mitte dem Bundesjustizministerium, '[personenbezogene] Daten des Klägers, die im Zusammenhang mit der Nutzung des Internetportals http://www.bmj.bund.de übertragen wurden, über das Ende des jeweiligen Nutzungsvorgangs hinaus zu speichern'. Auf Ihrer Website stellen Sie eine Musterklage bereit, mit der auch andere Behörden dazu gebracht werden können, den Datenschutz zu beachten" http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26314/1.html

 

2.10.2007: Das BKA verbietet den Besuch seiner eigenen Homepage

"Das Spiegeln sowie das Downloaden der BKA-Website ist untersagt." http://www.bka.de/text/impressum.html

 

2.10.2007: Dringende Warnung vor Webseiten deutscher Behörden

Das BKA soll über Jahre hinweg die IP-Adressen von Besuchern seiner Homepage gespeichert und Ermittlungen gegen sie angestellt haben.

"Ursprünglich hatte das BKA die Identität von 417 Personen feststellen wollen. Dabei handelte es sich nicht um Tatverdächtigte, sondern offenbar um alle Personen, die sich zwischen dem 28. März und dem 18. April diesen Jahres auf den Internetseiten des Bundeskriminalamtes über die "Militante Gruppe" informieren wollten." http://www.tagesspiegel.de/politik/deutschland/BKA;art122,2390884

"Das BKA betreibt eine Unterseite zur "Militanten Gruppe" auf der eigenen Webseite. Laut einem Bericht des Tagesspiegel nutzen sie die gesammelten IP-Adressen, um über die Provider Auskunft zu bekommen, wer sich die Seiten anschaut." http://netzpolitik.org/2007/bka-fahndet-mit-honeypots/

"Fangen wir ganz absurd an und unterstellen, solche Anfragen sind vom Datenschutz, dem Polizeirecht oder der Strafprozessordnung gedeckt. [...] Wurden die gewonnenen Daten dann sofort gelöscht? Oder schlummern die Namen und Adressen der ahnungslosen Anschlussinhaber weiter in einer Datenbank? Vielleicht für den Fall, dass bei nächster Gelegenheit aus anderer Quelle wieder so ein quasi-verdächtiges Verhalten dazu kommt. Zum Beispiel ein in der örtlichen Bibliothek entliehenes oder online gekauftes Buch zum Terrorismus. Oder eine Google-Recherche mit bösen Worten." http://www.lawblog.de/index.php/archives/2007/09/30/schon-mal-beim-bka-gesurft/

Ich kann nur dringend davor warnen, Websites von Behörden zu besuchen, wenn es nicht wirklich unbedingt notwendig ist. Man gerät automatisch in Datenbanken hinein, aus denen man - aller Wahrscheinlichkeit nach - nie wieder entfernt wird.

Update:

"Offenbar ist dies nicht das erste Mal, dass die Polizei gegen die Besucher der eigenen Webseiten ermittelt. Der Systemadministrator Jan Grewe berichtet FOCUS Online, dass er bereits vor zwei Jahren von der Polizei befragt worden sei. Verdachtsmoment gegen ihn: Er hatte sich zu häufig Informationen über einen Bombenanschlag in Köln angesehen."

"Ein Jahr nach dem Anschlag bekam Grewe Besuch von zwei Polizeibeamten, die ihn zwei Stunden lang befragten. Erst im Verlauf des Gesprächs erfuhr Grewe, wie die Polizisten auf ihn gestoßen waren. \u201eSie erklärten mir, ich sei auffällig oft auf den Seiten der Polizei gesurft\u201c, erklärt Grewe. Die Beamten hatte bei Grewes Provider angefragt und so seine Identität feststellen können." http://www.focus.de/digital/internet/datenschutz_aid_134542.html

Ich warne dringend davor, irgendwelche Behörden anzusurfen, wenn es nicht wirklich nötig ist. Auch bei der Regierung oder dem Staatsapparat in irgendeiner Weise nahestehenden Organisationen (wie z.B. SPD, ARD, DGB, GEZ oder TÜV) ist ab sofort äußerste Vorsicht geboten. Wir leben in der Zeit von Stasi 2.0, und das ist kein Scherz.

 

24.9.2007: Merkel

Natürlich wußte man es: Merkel ist nicht die Marie Curie des 21. Jahrhunderts, nicht die Klügste aller Physikerinnen. Aber was sie sich hier leistet, stellt alles in den Schatten, was ich bisher für möglich gehalten hätte:

"Zugleich steht Merkel aber weiter hinter der Forderung Schäubles, verdeckte Online-Durchsuchungen zuzulassen. Computer und Festplatten dürften kein Raum sein, auf den der Staat nicht zugreifen dürfe." http://www.heise.de/newsticker/meldung/96393

Da ist kein Platz mehr für irgendwelche Grundrechte, für irgendwelche Regeln, an die ein Staat sich halten müßte, für Strafprozeßordnungen, für irgendwelche Unschuldsvermutungen. Der Staat kann alles, darf alles, und der Bürger ist rechtlos. Ach, was sag ich: Der Bürger und alles, was er besitzt, sein Eigentum, seine Wohnung, alles ist in Wirklichkeit Eigentum des Staates, mit dem der Staat nach Belieben verfahren kann.

Und was sagte Schäuble auf die Frage, wenn sein Flugzeug entführt würde, wäre er dann mit dem Abschuß einverstanden? Er sagte: "Wissen Sie, diese theoretischen Diskussion sind immer richtig schwierig." http://www.netzeitung.de/deutschland/kolumne/751990.html

Warum weicht er hier aus? Er könnte doch einfach irgendwas erfinden. Er ist doch nicht dumm, in Interviews ist er immer mit allen Wassern gewaschen. Aber hier ist ihm offensichtlich sekundenlang nichts eingefallen. Warum? Wir alle kennen die Antwort: Angst. Wenn man Angst hat, fällt einem nichts ein. Das kennt jeder aus Prüfungen und Klassenarbeiten. Angst blockiert den Verstand. Die Frage hatte offensichtlich einen äußerst wunden Punkt berührt.

Schäuble leidet unter dem Diktatorsyndrom: Angst vor Attentaten. Das kriegen die Leute ganz automatisch, wenn sie zuviel Macht haben. Und je mehr ihre Macht wächst, umso mehr wächst die Angst. Irgendwann macht die Angst sie verrückt. Genau deshalb - da bin ich mir ziemlich sicher - kommt auch keine einzige halbwegs vernünftige Idee mehr aus Richtung der Regierung: Sie sind nur noch damit beschäftigt, Angst zu haben.

Je mehr Überwachung und Schikane sie uns antun, umso mehr Angst haben sie. Am Tag Beklemmungen und nachts Alpträume. Das finde ich prima.

Merkel und Schäuble wird am Ende der Teufel holen. Honnecker und Mielke hat er auch geholt. Saddam Hussein auch.

 

14.9.2007: Microsoft spielt heimlich Updates ein

http://www.heise.de/newsticker/meldung/95970

Mehrere Anwender staunten nicht schlecht, als sie in ihr System-Ereignis-Log schauten: Microsoft hatte offensichtlich Updates ausgeliefert und eingespielt, obwohl die Anwender lediglich über neue Updates informiert werden wollten.

"Benachrichtigen, aber nicht automatisch downloaden oder installieren" ist offensichtlich ein Placebo, das Microsoft umgehen kann, wann immer ihnen danach ist. Darüberhinaus wurden die User von dem Vorgang nicht einmal in Kenntnis gesetzt.

Der zuständige Mann bei Microsoft, Nate Clinton, erklärt es so: Es war nur das Update-Programm selbst, und wir mußten es updaten, weil das alte Programm neue Updates nicht mehr anzeigen konnte.

Es kann ja sein, daß das alte Programm neue Updates nicht mehr anzeigen konnte. Allerdings bezweifle ich es erstmal, weil ich mir beim besten Willen keine technische Begründung dafür vorstellen kann. Eine Begründung wird auch nicht angeführt. Das wäre aber der Punkt gewesen, der die ganze Erklärung erst glaubwürdig gemacht hätte.

Bei Debian-GNU-Linux zum Beispiel wird es so gehandhabt, daß man die Updates dann herunterlädt, wenn man möchte. Dringende Sicherheitsupdates werden aber schon dann heruntergeladen und installiert, wenn man nur die neue Liste holt. Auch das finde ich nicht so gut und richtig. Aber das Vertrauensproblem ist bei Open-Source halt nicht annähernd in dem Maße vorhanden wie bei Microsoft.

Bereits im März haben [...] die Redmonder [das Vertrauen der User] arg strapaziert, als bekannt wurde, dass Microsoft von den weitreichenden, sich selbst in einem Privacy Statement eingeräumten Möglichkeiten tatsächlich Gebrauch macht und bei jedem Update Informationen über den Rechner an Microsoft-Server schickt.

Microsoft macht immer deutlicher, welches Bild sie von ihren Kunden, den Windows-Usern haben: kleine Dummchen. Deshalb sieht auch Windows-XP aus wie das Teletubbie-Land.

 

8.9.2007: Unsichere Cookies - Geniales Sicherheitskonzept

Heise.de schreibt: "Bei vielen Diensten wie beispielsweise Google Mail, erfolgt zwar die Anmeldung verschlüsselt, sodass Lauscher im Netz die Zugangsdaten, also insbesondere das Passwort, nicht mitlesen können. Der eigentliche Zugriff auf den Dienst erfolgt dann jedoch oft aus Performance- und damit Kosten-Gründen unverschlüsselt. Um die nachfolgenden Zugriffe des Web-Browsers einer Sitzung zuzuordnen, setzt die Web-Site bei der Anmeldung ein Session-Cookie, das der Browser dann bei jedem weiteren Zugriff an den Server sendet." http://www.heise.de/newsticker/meldung/95686

 

5.9.2007: Der Terrorist als Gesetzgeber

Die Terroristen vom 11. November haben sich nicht in die Atomkraftwerke und Wasserwerke eingeschlichen und von dort aus die Bevölkerung vergiftet, sondern in die Parlamente, die Behörden und die Medien. Und die Leute, die sich haben vergiften lassen, tun jetzt das, was die Terroristen vorhatten: Die westlichen Werte, Grundrechte und Freiheiten und den Rechtsstaat abschaffen.

http://www.nzzfolio.ch/www/21b625ad-36bc-48ea-b615-1c30cd0b472d/showarticle/e96315c4-0cba-4db3-b9f4-c68d4d13f1e9.aspx Ich zitiere nichts, das muß man alles selber lesen.

Ich sehe leider auch keine Anzeichen für eine baldige Wende, keine Anzeichen für die Existenz einer revolutionären Kraft, nur Mutlosigkeit und Gleichgültigkeit.

Wenn ich mir die Zukunft vorstelle, dann sehe ich endlose Reihen von Baracken für die Armen, Stacheldraht drumherum, Wachleute mit Taser-Schlagstock. Gefängnisfabriken, Arbeitssklaven, lebenslang an Werkbänke gekettet für den Diebstahl von zwei Dosen Schokolade, wie in dem Film "Rosen für den Staatsanwalt". Und riesige Parks mit Villen für die Reichen.

Die einzige Chance, den Marsch in die Gefängniswelt aufzuhalten, die ich im Augenblick sehe, wäre ein Zusammenbruch der Weltwirtschaft. Das müßte aber schon wirklich ein so katastrophaler Zusammenbruch sein, daß anschließend Hungersnot, Seuchen, Chaos und Anarchie herrschen.

Hungersnot und Seuchen wünsche ich mir natürlich nicht, aber Chaos und Anarchie wären schon mal besser als das, was wir jetzt haben. Man wird ja nicht deshalb im Augenblick nicht ständig ausgeraubt und ermordet, weil etwa die Polizei so schön aufpassen würde, sondern nur, weil die meisten Leute eben keine Verbrecher sind.

Bei uns in der Gegend operiert mal wieder eine Bande von professionellen Einbrechern. Diesmal sind kleine Lottoläden dran, einer nach dem anderen. Zigaretten sind so teuer, daß sich der Einbruch in wenig gesicherte, kleine Läden lohnt. Die Beute ist so zehntausend Euro wert und leicht zu verkaufen. Die Polizei schreibt alles auf, heftet es ab, und erklärt sich ansonsten für nicht zuständig.

 

4.9.2007 Online-Ueberwachung: "technische Moeglichkeiten auch privat genutzt"

Wie die Berliner Zeitung berichtet, soll ein Mitarbeiter beim Bundesnachrichtendienst, der eigentlich nur ein paar ausländische Botschaften bespitzeln sollte, nebenbei den Email-Verkehr eines Mitbürgers belauscht haben, weil dieser ein Verhältnis mit seiner Frau hatte. Die Bundesregierung reagiert verärgert. "Zur Unzeit" sei dies geschehen. Man könne sich eine Diskussion über den Mißbrauch von Überwachung jetzt eigentlich nicht leisten. http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/print/tagesthema/682376.html

Sowas Ärgerliches aber auch: eine Diskussion, ächz, ausgerechnet jetzt, wo alle Signale auf "leise durchwinken" gestanden haben.

Dabei ist die Möglichkeit, daß die Schnüffelwerkzeuge mißbraucht werden können, nur ein Seitenargument gegen die Schnüffelei. Das Hauptargument ist: Jeder Mensch hat Anspruch auf Achtung seiner Privatsphäre und Menschenwürde. Man hat Anspruch darauf, nicht mit Kameras beobachtet, gefilmt, vermessen, durchleuchtet und gespeichert zu werden. Mein Computer gehört ebenso zu meinem Privatbereich wie mein Schlafzimmer. Ich habe Anspruch darauf, daß niemand darin herumschnüffelt.

Nur wenn ein hinreichend begründeter, konkreter Verdacht gegen jemanden vorliegt, darf davon abgewichen werden, aber auch das nicht nach Lust und Laune, sondern nach bestimmten, festgelegten Regeln. Auch bei einem bestehenden Verdacht darf nicht gleich zum schärfsten Mittel gegriffen werden. Nur weil jemand vielleicht irgendwo auffällig herumsteht, darf er noch lange nicht abgehört oder seine Post geöffnet werden.

Alle Mitglieder von Regierungen und andere Beamte haben sich verpflichtet, das Grundgesetz zu beachten, auch Schäuble, auch der eifersüchtige BND-Mann. Wir alle haben Anspruch darauf, daß sie ihre Verpflichtung einhalten. Es ist traurig, daß wir sie überhaupt daran erinnern müssen.

 

14.8.2007: Der Internet-Explorer-Witz des Tages

Bei heise.de heißt es heute (sinngemäß):

"Wenn man mit IE 6 oder 7 ein HTML-Dokument von einem FTP-Server herunterlädt, wird die Download-URL als Kommentar in dem Dokument gespeichert." Eingefügt wird das hier:

<!-- saved from url=(0042)ftp://name:password@adresse/test.html -->

Nur in HTML kann man so etwas auf einfache Weise (und in der Regel unbemerkt) einfügen, in anderen Dokumenten würde es entweder sofort auffallen oder die Datei wäre dann kaputt.

Als sie gefragt wurden, warum sie sowas tun, sollen sie geantwortet haben: "Damit Windows das Dokument einer Sicherheitszone zuordnen kann, wenn es später nochmal geöffnet wird."

Ich würde sagen: Sobald das Dokument auf dem eigenen Rechner liegt, ist die Sicherheitszone "eigener Rechner".

Aber damit nicht genug, sie haben auch noch gesagt: "Weil der IE kein vollwertiger FTP-Client ist."

Ich würde sagen: Jeder Webbrowser ist sowieso ein halbwertiger FTP-Client, weil er auch von FTP-Servern herunterladen kann. Ein vollwertiger FTP-Client ist einer, mit dem man auch hochladen kann. Aber das hat mit der gestellten Frage überhaupt nichts zu tun.

Quelle: http://www.heise.de/newsticker/meldung/94323

Da knallt mir der Kopf auf die Tastatur. Bonk!

 

7.8.2007: Bezirksamt Hamburg-Eimsbüttel

Vor zehn Jahren, als ich einen neuen Ausweis brauchte, war meine Erfahrung mit dem Bezirksamt so: Dunkel, verwinkelt, die Zimmer schwer zu finden, fensterloser Warteraum, 15 Quadratmeter für zwanzig Personen, daß man eine Nummer ziehen soll, muß man erraten. Die Ausweisstelle im zweiten Stock, die Kasse im zwölften. Die Sachbearbeiterin hat schlechte Laune, mäkelt an den Automatenfotos herum, sagt sowas wie: "Ja, ich weiß aber nicht, ob die angenommen werden. Die sind ja so schlecht." 12.- oder 15.- Mark kostet der Ausweis, und das Anfertigen dauert sieben Wochen.

Für diesmal war ich auf alles vorbereitet. Ich hatte mir eine Antwort zurechtgelegt, wenn es wieder heißen sollte, die Fotos seien schlecht, wollte ich sagen: "Das haben Sie voriges Mal auch gesagt, und dann gingen sie doch problemlos durch. Ich glaube, Ihr Urteilsvermögen ist nicht ganz ausreichend." Ich hatte sogar vorher ausprobiert, wie sie sich digitalisieren lassen. Es ging so mittelmäßig. Dann hatte ich mich auf 15.- bis 25.- Euro eingestellt. Aber auch 50.- hätten mich nicht überrascht, nachdem das Nichtannehmen einer Erbschaft vor zwanzig Jahren schon 35.- Mark gekostet hatte. Wenn es ganz dick gekommen wäre, hätte ich noch auf der Pfanne gehabt: "Ich bin auch so schon wütend genug auf diesen Staatsapparat und auf Sie, zusätzliche Schikanen und Provokationen haben Sie gar nicht mehr nötig."

Und dann dies: Hell und freundlich (soweit das in den alten Grindelhochhäusern überhaupt zu bewerkstelligen war), gut beschildert, leicht zu finden. Am Eingang eine Frau, die einem sagt, was man machen muß, welchen Antrag ausfüllen, etc. Ich brauche aber nur eine Nummer zu ziehen. Das Tableau sagt, wann man dran ist, zu welchem Platz man gehen soll, und es steht auch groß dran: "Platz 3". Ein ruhiger, freundlicher Herr am Schreibtisch, kein Gemecker, das Einzige, was ich noch machen muß, ist unterschreiben. Der Kassenautomat ist auf dem Flur gleich rechts, und er wechselt problemlos meinen Fünfziger. Acht Euro kostet es, und das Anfertigen dauert diesmal nur noch zwei Wochen.

Da hat sich ja Einiges getan in den letzten zehn Jahren. Heute sind es gar nicht mehr die Behörden, die einem den letzten Nerv rauben. Heute sind es eher die großen Banken und Ladenketten, die sich benehmen wie die sprichwörtliche Behörde.

 

27.7.2007: Vorsicht, vergiftete Nameserver (DNS-Server)

Nameserver liefern zu einer URL (www.abatz.de) die IP-Adresse (82.165.74.105). Wenn man im Internet unterwegs ist, und eine URL besuchen will, fragt der Browser zuerst einen Nameserver nach der IP-Adresse und dann den Server unter der IP-Adresse nach der gewünschten Webseite. Im meistgebrauchten Nameserverprogramm "BIND" ist eine Lücke gefunden worden, die es erlaubt, für eine bekannte URL eine falsche IP-Adresse in den Cache (Zwischenspeicher) zu injizieren. Der Nameserver liefert dann auf Anfragen von Browsern z.B. nach "www.postbank.de" nicht die zugehörige IP-Adresse, sondern die IP-Adresse einer betrügerischen Webseite. Die in der Statusleiste angezeigte URL ist dann scheinbar die richtige. Für den User gibt es keine Möglichkeit, festzustellen, ob er sich auf der richtigen, oder auf einer gefälschten Seite befindet, es sei denn, es besteht eine "sichere Verbindung" (wo unten im Browser das kleine Schloß geschlossen ist). http://www.heise.de/security/news/meldung/93253

In den kommenden Monaten, bis auch der letzte Nameserver im Internet auf die bereinigte Version von "BIND" umgestellt ist, wird das Internet noch unsicherer sein als es ohnehin schon ist. Mein Rat für User, die z.B. Online-Banking machen, lautet also:

Jedesmal wenn Sie eine "sichere Verbindung" hergestellt haben, klicken bzw. doppelklicken Sie das kleine Vorhängeschloß, lassen Sie sich das Zertifikat der Seite anzeigen und kontrollieren Sie die URL und den Namen der Firma.

 

19.6.2007: Versucht Microsoft, Linux zu kaufen?

Vor einigen Wochen las man, es gäbe eine Vereinbarung zwischen Microsoft und Suse (Novell), wo Novell irgendwas bezahlen oder liefern sollte, und MS versprach im Gegenzug, gegen Suse-Linux und seine User nicht mit Patentklagen vorzugehen. Nun haben sie noch zwei im Sack: Linspire und Xandros. http://www.heise.de/newsticker/meldung/91278

Ich kann mir nicht helfen, für mich hat es den Geruch von Schutzgelderspressung bzw. Erpressung von Verträgen. Es paßt auch perfekt zu dem Image von Microsoft und seinen Mitarbeitern, das sie sich über Jahre erworben haben: Sie behaupten zwar immer: "Wir sind ja soo lieb und tun keinem was", aber wenn es ihrer Firma nützt, haben sie keine Skrupel, Existenzen zu vernichten. Schon aus diesem Grund sollte man MS-Software meiden wie ein Minenfeld. Es ist auch nicht gerade ein Zeichen von Klugheit, seine Feinde finanziell zu unterstützen.

Linux ist inzwischen viel zuverlässiger und sicherer als Windows, es entwickelt sich schneller weiter, und es gibt viel mehr Auswahl an Software. Nur eines ist Linux nicht: So einfach zu benutzen wie Windows. Ich bin dabei, einem Kollegen zu helfen, sich in Linux zurechtzufinden, und mir ist wieder klargeworden: Fast alles funktioniert anders, man muß sehr viel lernen, und gerade am Anfang ist die Lernkurve sehr steil. Deshalb empfindet der Anfänger bei Linux mehr Streß als bei Windows.

Distributionen wie z.B. Suse oder Ubuntu versuchen, dieses Problem zu lösen, indem sie den Installationsprozeß so weit wie möglich automatisieren und außerdem möglichst viele der Einstellungen, die nach der Installation nötig sind, auf die grafische Oberfläche legen. Bei mir führt gerade das immer zu Streßerlebnissen. Dann muß ich nicht nur verstehen, was in Linux eingestellt wird, sondern auch noch, was sich der Grafikprogrammierer dabei gedacht hat.

Meiner Meinung nach ist die Methode, Linux von Null an zu installieren, immer noch der einzig richtige Weg. Das Linux, vor dem ich hier sitze, hat mir von allen bisherigen Betriebssystemen am wenigsten Streßgefühle gemacht, abgesehen vielleicht von meiner vorigen Version. Ich würde gern irgendwann eine vollständige und perfekte Anleitung zusammenbekommen, wie man zu diesem Punkt kommt.

 

14.6.2007: Das Internet hat sich hochzuladen, aber zack-zack!

Es gibt so Scherzseiten, wo einem angeboten wird, sich das gesamte Internet herunterzuladen, wo z.B. steht: "Download the Internet: here" http://websearch.about.com/b/a/177674.htm http://www.w3schools.com/downloadwww.htm

Soo ein Riesenwitz ist das inzwischen nicht mehr, man schmunzelt höchstens noch. Nicht so unsere sogenannte Regierung. Die nimmt das nicht nur ernst, die setzt noch einen drauf:

Das Internet hat sich ab sofort wöchentlich selbst hochzuladen, und zwar zu einer für die Archivierung zuständigen Bundesbehörde. Die Kosten trägt der Anbieter. Und das meinen sie bitterernst und drohen gleich mit Strafen.

Die Bundesregierung hat vor einiger Zeit ein Gesetz entworfen, nach dem jeder Anbieter von irgendwelchen Inhalten, auf Papier, auf CDs, DVDs, oder im Internet, dazu verpflichtet wird, sämtliche Inhalte zum Zwecke der Archivierung bei der Nationalbibliothek "abzuliefern", natürlich auf seine Kosten. Wer dem nicht innerhalb einer Woche nachkommt, muß mit Bußgeldern von 10.000 Euro rechnen.

Davon betroffen sind z.B. auch Diskussionsforen, Wikis und Blogs.

http://www.heise.de/newsticker/meldung/91108

 

25.4.2007: Warnung vor Industriespionage aus China mit MS-Office-Dokumenten

Heise.de meldet einen dramatischen Anstieg von Angriffen mit präparierten Office-Dokumenten von 2006 auf 2007: von monatlich 8 auf 700. Quelle der Angriffe sollen Rechner in China sein, Ziel der Angriffe sollen Firmen und Regierungsstellen sein. Man öffnet das Firmennetzwerk für den Angreifer, indem man das an eine Mail angehängte Office-Dokument ansieht: http://www.heise.de/newsticker/meldung/88794

Meiner Meinung nach muß man damit rechnen, daß

  • keine Firma zu klein ist für einen Angriff, insbesondere, wenn sie industrielles Spezialwissen hat
  • Sicherheitslücken ausgenutzt werden, die frisch gefunden und noch nicht bekannt sind
  • die Antivirensoftware die Schädlinge am ersten Tag nicht erkennt
  • das Ausweichen von MS-Office auf Open-Office wahrscheinlich ein ganzes Stück sicherer, aber keineswegs "vollkommen sicher" ist

Meine Empfehlung lautet:

1. von MS-Office zu Open-Office zu wechseln: http://www.openoffice.org/

2. keine Office-Dokumente mehr zu verschicken, sondern vorher in PDF umzuwandeln,

3. Mail-Partner bitten, es ebenso zu machen,

4. Mail und Anhänge mit PGP zu verschlüsseln, zumindest zu signieren,

5. von Windows zu Linux zu wechseln.

 

13.4.2007: Groteske Preissteigerung bei Budnikowsky

Das ist eine Drogeriekette mit Sitz in Hamburg. Dort kostete Waschbenzin, 1 Liter am 15.2.: 1,98, am 13.4.: 2,89. Das sind 46 Prozent mehr. Der Geschäftsführer lehnt eine Stellungnahme ab.

Ich beobachte Ähnliches bei vielen anderen Dingen, die man nur alle paar Monate mal kauft, z.B. im Baumarkt. Meiner Ansicht nach haben sich die Preisforderungen des Handels von jeder realistischen Kalkulation vollkommen abgekoppelt. Nach meiner persönlichen Theorie müßte das eigentlich über kurz oder lang dazu führen, daß in den Köpfen der Verbraucher das Vertrauen zum Geld schwindet.

Das Ende des römischen Reiches legt die Vermutung nahe, daß das Volk in so einer Situation irgendwann zu einer wie auch immer gearteten Naturalwirtschaft übergeht.

 

19.3.2007: Die Deutschen sind die bereitwilligsten Phishing-Opfer

http://www.ftd.de/technik/medien_internet/175525.html Von Deutschland gehen einer Studie zufolge europaweit die meisten Sicherheitsrisiken im Internet aus: Das Land sei eine Hochburg des Phishing, und auch die meisten Spam-Server befänden sich hier. [...] Beim Phishing versuchen Kriminelle mit fingierten Websites, die sich als offizielle Internetseite etwa einer Bank ausgeben, vertrauliche Daten wie Kontonummer, Passwörter oder PIN "abzufischen".

Phishing wird ungeheuer erleichtert, wenn man sich HTML in Mails anzeigen läßt. Die suggestive Wirkung einer professionell gemachten Phishing-Mail in HTML ist enorm. Selbst ich bin immer beeindruckt. Es sieht einfach "völlig echt" aus.

HTML in E-Mail ist gefährlicher Spielkram.

 

24.1.2007: Windows kann nicht gut mit Parallelport-Druckern umgehen

Es ist nicht wirklich eine Neuigkeit, aber für mich war es eine. Und es ist ein dicker Hund: Ich bin eben darauf gestoßen worden, daß Windows keine Interrupt-Unterstützung für den Parallelport hat (LPT1), und daß deshalb das Drucken im Standard-Modus des Parallelports auch den schnellsten Rechner zu 100 Prozent auslastet. Ich kann es noch gar nicht glauben, aber hier steht es: http://support.microsoft.com/kb/318273

100 Percent CPU Usage Occurs When You Print on an LPT Printer Port
This behavior occurs because Windows does not have interrupt support for LPT printers.
This behavior is by design.

Man kann aber im Bios den Parallelport auf eine neuere Art von Kommunikation einstellen. Die meisten Druckertreiber sollten damit umgehen können.

Was denkt sich Microsoft eigentlich dabei? Meiner Meinung nach müßte ein normaler Programmierer das in ein bis zwei Tagen einbauen können. Ich habe selbst schon mit Interrupts gearbeitet, in C, unter MS-DOS, bei der seriellen Schnittstelle. Man muß ein bißchen umdenken, aber es ist keine wirklich große Sache.

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