25.12.2004

Linux im Gewerbebetrieb

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Im Folgenden werden PCs hauptsächlich aus der Perspektive eines "kleineren Gewerbebetriebes" (also aus meiner eigenen Perspektive) betrachtet: als "Arbeitsgeräte".

server-19-zoll   Beispiel:
 
Server im 19-Zoll-Gehäuse
 
1800 MHz Duron, 1 GB RAM, 120 GB Festplatte, gespiegelt, 2 x Ethernet, ISDN, Faxmodem
 
Datei-, Druck-, Fax-, Mailserver, DSL- und VPN-Router, Webproxy, Anrufbeantworter
 
 
(läuft z.Zt. in Frankreich)

 

Meine Empfehlung für Gewerbebetriebe

für Server im Firmennetz   Debian-Linux "stable"
für Arbeitsplätze mit Office, Mail, Internet, usw.   Debian-Linux "stable"
für Arbeitsplätze mit Bild-, Film-, Animations-, Video-, Musikbearbeitung, etc.   Linux "von Null an" oder Debian-Linux "unstable"
für Arbeitsplätze mit spezieller Hardware, die von Linux noch nicht unterstützt wird   Windows 2000
für Arbeitsplätze mit spezieller Windows-Software, die es für Linux noch nicht gibt   Windows 2000 unter Linux mit VMware (s.u.)

Meiner Meinung nach ergibt sich das aus den Anforderungen fast von selbst (s.u.)

 

Anforderungen an einen Server

  • Betriebssicherheit:
    • keine Störungen, keine "Hänger", keine Abstürze
    • keine unbemerkten Probleme (denn ein Server läuft ohne Monitor)
  • Verfügbarkeit:
    • 24 Stunden, 7 Tage, über Jahre hinweg
    • möglichst nahe an 100 Prozent
  • Einbruchs- und Virensicherheit:
    • von draußen keine Einbrüche
    • von drinnen kein Mißbrauch
    • regelmäßige Sicherheitsupdates
    • schnell verfügbare Patches
  • Datensicherheit:
    • keine Datenverluste durch Defekte, Störungen oder Viren
    • Schutz gegen versehentliches Löschen
    • möglichst automatische Sicherheitskopien
  • Anschaffungs- und Betriebskosten:
    • möglichst niedrig
    • im Voraus kalkulierbar

Das kann - nach meinen persönlichen Erfahrungen - nur Debian-Linux bieten.

 

Anforderungen an Arbeitsplatzrechner mit Office usw.:

  • Bedienbarkeit:
    • möglichst ähnlich wie bei Windows und MS-Office
    • allerneueste Versionen der Software sind nicht unbedingt nötig
    • "lange getestet" ist wichtiger
  • Betriebssicherheit: s.o. ("unbemerkte Probleme" sind aber recht unwahrscheinlich)
  • Verfügbarkeit: s.o.
    • keine Unterbrechungen durch unverständliche Meldungen
    • keine Unterbrechungen durch Neuinstallierung nach Störungen
  • Einbruchs- und Virensicherheit:
    • wird weitgehend vom Server geboten
    • für Windows: Antivirensoftware erforderlich
  • Datensicherheit:
    • wird vom Server geboten

Auch diese Anforderungen kann - meiner Meinung nach - nur Linux erfüllen.

 

Anforderungen an Arbeitsplatzrechner mit Mediabearbeitung:

  • wie oben, aber:
    • Software so neu wie irgend möglich (im Bereich Media ist die Entwicklung zur Zeit am größten)

Ich bin es seit etwa einem Jahr gewohnt, an einem Rechner zu arbeiten, auf dem "Linux from Scratch" installiert ist. Und hin und wieder muß ich auf den Rechnern anderer Leute Windows und Windows-Software installieren. Mein persönlicher Eindruck ist: Windows ist zwar mit den Jahren sehr viel besser geworden, aber gegen Linux hat es keine Chance. Für meine verwöhnten Ansprüche fühlt sich Windows an wie ein wackliger, halb kaputter Küchenstuhl.

 

Warum gerade Debian

  • 8000 Debian-Pakete (entspricht etwa 2000 Software-Paketen)
  • Pakete stehen ohne viel Mühe und Vorarbeit zur Verfügung
  • Pakete laufen (meistens) "out of the box"
  • Zusammenarbeit der Pakete ist von sehr vielen Usern getestet
  • mindestens 6 Monate Testphase vor Erscheinen
  • alles was kritische Fehler hat, "fliegt raus"
  • Das Sicherheitskonzept ist durchdacht und lange getestet
  • regelmäßige und schnell verfügbare Sicherheitsupdates
  • "feinkörnige" individuelle Einstellmöglichkeiten
  • Konfiguration größtenteils so, wie von den Paketentwicklern geplant
  • weniger für den Anfänger, mehr für den Fachmann gedacht
  • erste Ziele: Stabilität und "freie Software"

 

Andere Distributionen:

  • Weniger Softwarepakete
  • Weniger Vorarbeit an den einzelnen Paketen
  • Kürzere Testphasen
  • Konfigurationsprogramme arbeiten "grobkörniger"
  • Neu erfundene deutsche Fachausdrücke erschweren die Konfiguration
  • will anfängerfreundlich sein, erschwert Arbeit des Fachmanns
  • erste Ziele: optisch ansprechend, einfach zu installieren, neueste Software
  • gern Zusammenarbeit mit anderen kommerziellen Herstellern und Anbietern

 

Fazit:

Linux-Distributionen wie Debian, die nicht zum Zweck des Geldverdienens gemacht sind, erfordern zum Einrichten und Warten mehr Wissen und Können, sind aber verläßlicher.

 

Wann auf einem Arbeitsrechner "Linux von Null an" besser ist als eine Distribution

Schwerpunkte der Entwicklung beim weltweiten Projekt "Linux" sind zur Zeit:

  • Unterstützung für neue Hardware (wie immer)
  • Verbesserung des Kernels, des Grundsystems (wie immer)
  • Verbesserung der Programme für die grafische Oberfläche, besonders Media-Programme

Bei den Programmen, die auf der grafischen Oberfläche laufen, kann es sich lohnen, die neuesten Versionen zu haben. Wenn z.B. in der "stabilen Version" einer Distribution ein Programm mit "Version 1.2" enthalten ist, kann vom Paket-Entwickler selbst schon "Version 2.0" als "stabil" freigegeben sein - und dazwischen können viele Monate liegen.

Das bedeutet: Es gibt durchaus noch sehr viele kleine und auch größere Dinge zu verbessern in Linux. Aber Linux ist schon jetzt sehr viel besser als Windows, obendrein entwickelt es sich zur Zeit schneller als sich die kommerzielle Software entwickelt.

 

Wann man auf einem Arbeitsrechner Windows nehmen muß:

Wenn man gezwungen ist, Spezialsoftware einzusetzen, die es für Linux noch nicht gibt, z.B. ein CAD-Programm, das ein ganz bestimmtes Datenformat hat, oder eine ganz bestimmte SPS-Programmiersoftware, oder wenn man spezielle Hardware hat, die Linux noch nicht kennt.

 

VMware: Virtueller Windowsrechner unter Linux

"VMware" (http://www.vmware.com/de/) ist eine Möglichkeit, die Stabilität von Linux zu kombinieren mit bestimmten kommerziellen Programmen, die es (bisher) nur unter Windows gibt. VMware ist ein Programm, das unter Linux läuft, und das die Hardware eines PC simuliert. Man kann damit also einen (oder sogar mehrere) "simulierte PCs" haben, auf denen man jeweils ein Windows und weitere Software installieren kann. Dann kann man z.B. Internet, Mail und Office unter Linux machen, und das Spezialprogramm unter Windows, ohne zwischendurch immer wieder booten zu müssen. Man muß vielleicht höchstens den simulierten Windows-PC mal neu booten, nachdem man in der "Systemsteuerung" etwas verstellen mußte, oder wenn Windows mal "hängt". Aber man kann, während der simulierte PC bootet, unter Linux mit den Linuxprogrammen weiterarbeiten.

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