9.4.2009

Mausarm

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Was ist ein Mausarm

Ich habe tatsaechlich eine Krankheit, die "Mausarm" heisst. Es handelt sich um Durchblutungsstoerungen, die dadurch zustandekommen, dass der Arm jeden Tag stundenlang so gut wie bewegungslos auf dem Tisch liegt und die Maus haelt. Erst kommt die Thrombose, dann die Nekrose, dann die Entzuendung.

Ein Mausarm ist so etwas Aehnliches wie ein Raucherbein im ersten Stock. Man kann froh sein, wenn er wieder gesund wird und nicht so stark geschaedigt ist, dass er amputiert werden muss. Wenn die Schmerzen anfangen, ist der erste Schaden bereits eingetreten. Spaetestens dann muss man reagieren und nicht, wie es unter Maennern ueblich ist, erst noch wochenlang die Zaehne zusammenbeissen.

Zuerst war es nur eine kleine Stelle am Ellenbogen, die ein bisschen wehtat, so als ob ich mich gestossen haette. An den kleinen Hoeckern am Ellenbogen, innen und aussen, liegen die Muskelansaetze fuer den Unterarm, das ist Bindegewebe und schon normalerweise nur schwach durchblutet. Solche Stellen sind als Erste dran, und werden erst als Letzte wieder gesund.

Ein paar Tage spaeter konnte ich bestimmte Bewegungen nicht mehr ausfuehren und bestimmte, etwas schwerere Gegenstaende nicht mehr greifen und festhalten. Der Arm und die Finger wurden immer kraftloser, und immer mehr Bewegungen waren mit stechenden Schmerzen verbunden.

Die Vermutung dass eine Arterie verstopft sein koennte, kam mir, als dann auch noch ein Teil des Arms und der Hand kalt wurden. Das Wort "Mausarm" kam mir in den Sinn. Man kann danach googeln. Gluecklicherweise hat der Koerper Moeglichkeiten, eine verstopfte Arterie zu umgehen. Andere Adern uebernehmen den Transport.

Aber die Gewebeteile, die von der verstopften Arterie versorgt wurden, sind erstmal tot, oder zumindest halbtot. Mitten im Arm hat man ploetzlich ein Stueck totes, vergammeltes Fleisch. Damit muss der Koerper erstmal fertig werden. Ein Spass ist das nicht.

Offensichtlich sind Arbeitstische mit der normalen Hoehe von 80 Zentimetern schlecht fuer die Arbeit am Computer. 60 Zentimeter sind besser. Ich habe mir dann erstmal eine Mausauflage 20 Zentimeter unterhalb der Tischplatte montiert.

Aber der Arm war bereits schwerkrank. Ein dumpfer Entzuendungsschmerz begann sich langsam, ueber Tage und Wochen, im ganzen Arm auszubreiten, von den Fingerspitzen bis in die Schulter. Ein paar Wochen lang hatte ich Angst, den Arm zu verlieren.

Ich bekam ungewoehnlich starken Appetit auf Ananas und Cashewnuesse, und ich spuerte ein dringendes Beduerfnis, den Arm zu massieren und in ein Heizkissen einzuwickeln. Ausserdem wurde ich chronisch durstig, muede und geistesabwesend.

Jetzt, vier Wochen spaeter, lassen die Schmerzen langsam nach. Nur noch die ungewoehnlicheren Bewegungen und Griffe tun weh. Die Kraefte kehren langsam zurueck. Nur der kleine Hoecker am Ellenbogen sendet noch immer seinen kleinen stechenden Dauerschmerz.

Der Appetit auf Cashewnuesse hat nachgelassen, dafuer schmecken mir jetzt Tomaten, Spargel und Rosenkohl ungewoehnlich lecker.

Mit dem Arm werde ich wohl noch mindestens weitere ein bis drei Monate Spass haben.

 

Immer noch leichte Beschwerden

Die Maus ist immer noch mein kleiner Feind. Nach jeweils ein paar Minuten konzentrierter Arbeit meldet sich der Arm und möchte mal wieder bewegt werden.

 

Es gibt noch eine andere Art "Mausarm"

Die kommt nicht vom regungslosen Herumliegen, sondern vom Windows-Doppelklick. Überall heißt es klick-klick, klick-klick, klick-klick. Für soviel Arbeit ist der Zeigefinger nicht konstruiert.

Früher hieß die Diagnose "Sehnenscheiden-Entzündung", heute heißt es "Karpal-Tunnel-Syndrom". Die Muskeln für die Finger liegen im Unterarm. Die Finger werden durch Sehnen bewegt, und die laufen an der Unterseite des Handgelenks durch Röhren aus Bindegewebe, und die können durch zuviel Bewegung gereizt werden und mit Entzündung reagieren.

 

Die meisten Fundstellen im Web kennen nur die zweite Art

Das liegt wahrscheinlich daran, daß die meisten Leute Windows benutzen und von den Linux-Usern die meisten mit KDE oder Gnome arbeiten.

Ich habe mir mein Linux so eingerichtet, daß ich keine "Systemsteuerung" im Microsoftschen Sinne habe, sondern ich administriere mein System in Textfenstern. Ich editiere die Konfigurationsdateien direkt. Das ist im Prinzip nicht schwieriger, man benutzt nur die Tastatur anstelle der Maus. Auch das Installieren von Software mache ich im Textfenster.

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