4.9.2009

Schule heute

default

 

Schule heute - eine Irrenanstalt

Zitat aus einem Usenet-Beitrag:

Eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) unter 1.807 Deutschen im Auftrag der Vodafone Stiftung Deutschland ergab: 61 Prozent der Befragten sehen in der zu hohen Schülerzahl je Klasse und 53 Prozent in zu vielen ausfallenden Stunden den dringlichsten Verbesserungsbedarf.

Rechtschreibung und Grammatik, gefolgt von Mathematik und Englisch, sind die Unterrichtsinhalte, die für besonders wichtig gehalten werden. Nur 32 Prozent der Befragten vertreten die Ansicht, dass historische Kenntnisse besonders wichtig sind.

Wenn man zur Verbesserung der Moskitonetze eine Umfrage unter Mücken machen würde, da würde auch sowas Ähnliches rauskommen.

Ich war Lehrer an einer Gesamtschule und habe jetzt nach zwanzig Jahren mal wieder einen Kurs an einer Schule gegeben. Das war ein Gefühl, als ob ich in einem absurden Theaterstück mitspiele, das von einer Irrenanstalt aufgeführt wird, von den Irren und den Irrenärzten gemeinsam, als Zeitvertreib. Aber keiner weiß, daß sich alle in einer Anstalt befinden. Alle denken: das hier, das was hier gemacht wird, das ist das Normale, das Gute, das Echte und das Richtige, das ist die Welt, so wie sie ist.

Die Leute denken tatsächlich, daß man in der Schule etwas lernt, obwohl sie es aus eigener Erfahrung eigentlich besser wissen müßten. Klar, die Lehrpläne sind zum Platzen voll, aber das Bißchen, was man nach zehn Jahren Schule tatsächlich gelernt hat, paßt in eine Keksdose.

Der Glaube an die Mathematik ist einfach nicht auszurotten, obwohl nur einer von zehntausend Leuten in seinem Leben jemals mathematische Kenntnisse braucht. Mathias Richling hat gesagt: Gucken Sie doch mal an der Tankstelle auf die Zapfsäule, da steht nicht: "Der Preis für einen Liter Benzin ist die Quadratwurzel aus fünf Euro", das steht da einfach nicht.

Nachdem die Leute in Geschichte mit Ereignissen und Jahreszahlen gefüttert wurden, die sie dann alle paar Wochen auf Kommando wieder erbrechen mußten, und nachdem sie dann als Krönung monatelang mit dem Nationalsozialismus traktiert wurden, wollen sie von Geschichte nichts mehr hören.

Trotzdem glauben die Leute an die Institution Schule, so wie sie zur Zeit der Hexen- und Ketzerverfolgung an die Kirche geglaubt haben.

Dabei haben die meisten Schüler nach zehn Jahren Schule nur rudimentäre Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen. Aber das Schummeln, das Sich-Drücken, das Ausreden-Erfinden, das Überforderung-Heucheln, das beherrschen sie virtuos.

Soziales Lernen, ach, ja, das ist heute das, was in den Achtzigern der Computer war: ganz große Mode.

Soziale Probleme wie Gewalt, Kriminalität und Drogen werden tatsächlich in der Schule nicht thematisiert, sondern tabuisiert. Es gibt Strafrituale für Fehlverhalten, und es werden rituelle Bekenntnisse zur Gewaltlosigkeit eingeübt. Es werden aber keine Einsichten vermittelt.

Jede halbwegs intelligente Fernsehserie vermittelt in drei Monaten mehr soziale Kompetenz als die Schule in zehn Jahren.

abatz.de Jörn Abatz - Technische Software Impressum