21.5.2006

Der Film "Serenity"

default

 

Reklame für den Film "Serenity"

Die Zivilisation hat viele wundervolle Dinge hervorgebracht, aber es gibt auch ein paar Schattenseiten. Die Zentralregierung handelt stets in bester Absicht, aber unter der Oberfläche sind ein paar häßliche Dinge vorgefallen. Das muß ein Staatsgeheimnis bleiben - um jeden Preis.

Wir befinden uns 500 Jahre in der Zukunft, die Völker der Erde sind miteinander verschmolzen, als einzige Kultur ist eine Mischung aus den beiden größten, USA und China, übriggeblieben. Die Menschheit war gezwungen, die Erde zu verlassen, weil sie zu eng geworden und außerdem "verbraucht" war. Sie suchte und fand ein neues Sonnensystem mit Dutzenden von Planeten und Hunderten von Monden, die alle erdähnlich und bewohnbar gemacht werden konnten. Im Zentrum befinden sich die reichen Planeten, im äußeren Gürtel die ärmeren, weniger zivilisierten, die aber eigentlich nur von der Zentralregierung unabhängig sein und auf ihre eigene Art leben wollten. Es gab deshalb einen Bürgerkrieg, den die Unabhängigen verloren.

Der Film wird erzählt aus der Perspektive einer zarten jungen Frau, an der ein Regierungslabor herumexperimentiert hat, um ihr zu einer militärisch nutzbaren, übersteigerten Wahrnehmungsfähigkeit zu verhelfen. Sie waren ziemlich erfolgreich, aber sie mußten ihr dafür ein paar Jahre lang Schmerzen und Qualen zufügen, wieder und wieder in ihrem Gehirn herumschneiden, und nun befindet sie sich meistens im Zustand geistiger Umnachtung. Es gelingt ihrem Bruder, sie aus dem Labor zu befreien, aber die Regierung befürchtet, daß sie ein Staatsgeheimnis "wahrgenommen" hat, und nun ist eine mittlere Armee hinter ihr her, an der Spitze ein höchst gebildeter, intelligenter, einfühlsamer, sympathischer, auf seine Art höchst ehrenhafter - und zu allem entschlossener Irrer.

Die junge Frau und ihr Bruder haben Schutz gefunden bei einem Grüppchen Kleinkrimineller, die auf einem kleinen Raumfrachter leben, von Mond zu Mond und von Job zu Job fliegen, und die nicht groß fragen, ob ein Job legal ist. Der Zuschauer erfährt gleich zu Anfang, daß die bedauernswerte junge Frau möglicherweise auch äußerst gefährlich sein könnte. Die Gruppe erfährt es erst etwas später.

Vier Männern und vier Frauen leben auf engem Raum zusammen, es sind sehr verschiedene Persönlichkeiten mit sehr verschiedenen Beziehungen untereinander. Der Film erzählt die Geschichte dieser acht Menschen und wie sie und ihre Beziehungen untereinander und ihre Gefühle füreinander sich im Lauf der Ereignisse verändern. Das ist für einen Actionfilm zumindest ungewöhnlich, normalerweise steht die Action im Mittelpunkt. Aber der Drehbuchautor und Regisseur dieses Films ist Joss Whedon, und bei dem stehen immer Gefühle und Veränderungen der Charaktere im Mittelpunkt.

Am erstaunlichsten finde ich an diesem Film seine menschliche Ausstrahlung. Die Schauspieler, überhaupt die ganze Crew, waren während der Dreharbeiten zu der (in Deutschland weitgehend unbekannten) Serie "Firefly" zu einer Familie geworden, und das schimmert durch. Die ständige Angst, die Serie würde abgesetzt (sie wurde es), der Enthusiasmus der Fans, die Kampfbereitschaft auf allen Seiten, all das lebt noch weiter und verleiht dem Film zusätzliches Charisma. Die Serie wurde auf DVD weitervermarktet, und sie verkaufte sich gut genug, daß "Universal" die Produktion einer Fortsetzung als Spielfilm wagte: "Serenity". Auch das ist sehr ungewöhnlich, daß aus einer Serie, die abgesetzt wurde, ein Film gemacht wird.

Der Film hatte etwa im Februar oder März seine Produktionskosten eingespielt, wiederum hauptsächlich in Form von DVDs, seitdem verdient er Geld. Meiner persönlichen Überzeugung nach sollte er soviel Geld verdienen, daß es für "Serenity 2" reicht. Ich würde gern mehr davon sehen.

Ich glaube, es ist eine gute Idee, sich zuerst die Serie und dann den Film anzusehen. Nach der Hälfte des Pilotfilms hatte ich die Befürchtung, ich müßte mir für die Serie Herztropfen verschreiben lassen, Betablocker oder so. Dank der Einmischung von "Fox" in die Drehbücher wurde es aber dann doch nicht ganz so schlimm. Aber "Serenity" ist wieder richtig schlimm, noch schlimmer als der Pilotfilm. Das Allerschlimmste ist: Nicht alle Charaktere überleben den Film.

 

Links:

[1] "Spoiler" ist ein Jargonausdruck für "Informationen, Zitate oder Ausschnitte, die die Überraschung verderben".

abatz.de Jörn Abatz - Technische Software Impressum