30.5.2008

Soziale Fragen

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30.5.2008: Mehrsprachigkeit als Integrationshilfe

Eines der Probleme ist, daß Gruppen von Ausländern (oder Deutsche "mit Migrationshintergrund") sich z.B. bei der Polizei oder im Gefängnis beliebig hinter ihrer Sprache verstecken und abschotten können.

Man kann dem entgegenwirken, indem man Kindergärten mehrsprachig einrichtet. Wenn Kinder mit drei bis fünf Jahren mit mehreren Bezugspersonen zu tun haben, die verschiedene Muttersprachen haben, und die mit den Kindern jeder in seiner Muttersprache reden, dann lernen Kinder die Sprachen, ohne es recht zu merken.

Irgendwann kann sich dann niemand mehr darauf verlassen, daß im Augenblick ja niemand zu sehen ist, der zum Beispiel Türkisch oder Arabisch verstehen könnte. Dann ist eine Barriere verschwunden, die man zwischen seiner Gruppe und dem Rest der Gesellschaft bei Bedarf errichten kann.

 

30.5.2008: Klischees und Dogmatismus

Vor ein paar Tagen hat ein Verkehrsminister (oder so) gesagt: "Wir müssen die Bußgelder verdoppeln, dann fahren die Leute vernünftiger, und es gibt weniger Unfälle".

Der Dogmatismus besteht hier darin, ein altes und als falsch erwiesenes Klischee als Wahrheit und Erkenntnis zu verkünden. Das Klischee ist hier: Je härter die Strafe, umso weniger Verstöße werden begangen.

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen: Ein (wenn auch ein schwacher) Zusammenhang besteht bei Eigentumsdelikten, kein Zusammenhang besteht bei sozial veranlaßten Delikten. Es besteht aber ein starker (negativer) Zusammenhang zwischen Tathäufigkeit und der Wahrscheinlichkeit, erwischt zu werden.

Leute, die klischeehaft und dogmatisch denken und argumentieren, haben immer erstaunlich wenig Klugheit und menschliches Einfühlungsvermögen. Nicht daß sie direkt dumm wären, sie haben durchaus Verstand und können argumentieren. Aber sie benutzen ihre Intelligenz dazu, ihre festen (und meistens falschen) Standpunkte zu untermauern.

Ich habe immer das Gefühl, daß das nicht Menschen sind wie du und ich, sondern eigentlich eine andere Tierart, Neandertaler oder sowas. Ich denke aber, es ist eine Art Behinderung, ein Defizit in der Entwicklung der sozialen Beziehungsfähigkeit. Auch Kinder, die auf der Straße großgeworden sind, haben dieses Defizit und diese Gefühllosigkeit.

Ich denke, diese Menschen benutzen den Verstand, um die Signale aus dem limbischen System (den Hirnteil hatten schon die Dinosaurier) rational zu umkleiden. Sie benutzen aber nicht ihr Säugetierhirn. Die Säugetiere haben damals gewonnen, weil sie nicht schwarz-weiß gedacht haben, sondern feine Nuancen abwägen konnten.

Dummerweise sind die Signale aus dem Säugetierhirn sehr leise und unauffällig. Das limbische System kommt immer mit lauten Trompeten daher. Und weil es schwarz-weiß denkt, wird das Leben sehr viel einfacher, wenn man mit dem limbischen System denkt und diese Gedanken mit dem Verstand in Worte faßt.

Militär, Polizei, Beamte, Politiker, Banken, Versicherungen, TÜV, GEZ, GEMA, IFPI, das sind die Stellen, an denen limbisches Denken dominiert, erwünscht ist und gefördert wird. Kennzeichen aller dieser Orte ist: Sie können sich nicht selbst ernähren, sie brauchen eine umgebende Gesellschaft, der sie Geld aus der Tasche ziehen können.

Wir müssen nur aufhören, Steuern, Gebühren und Beiträge zu zahlen, dann sterben die Dogmatiker aus, weil sie nur als Parasiten lebensfähig sind. Wenn wir aufhören, Geld zu verdienen, kann die Gesellschaft gesundwerden.

Natürlich brauchen wir dann eine andere Möglichkeit, uns zu ernähren, zu kleiden und zu wohnen, als auf der Grundlage von Geld. Das ist in der Vergangenheit schon mindestens einmal passiert, und zwar am Ende des römischen Reiches. Da gab es eine nicht endenwollende Inflation, und die Menschen sind zur Naturalwirtschaft übergegangen.

 

5.12.2007: Soziale Fragen

Daß wir hier ein Terrorproblem haben, sehe ich eigentlich nicht. Die einzigen bewaffneten und gewalttätigen Terroristen in Deutschland stellt zur Zeit die Polizei. Insofern haben wir also doch ein Terrorproblem, irgendwie. Schäuble will nun wissen, was die richtige Lösung ist, wenn es nicht Guantanamo ist.

Die NPD fordert immer mal wieder, die Ausländer rauszuwerfen. Wir haben in Deutschland jedenfalls ein Integrationsproblem.

Und wir haben das Problem, daß unsere Sozialsysteme kaputt sind und daß Menschen anfangen zu hungern und zu frieren, um nicht aus ihren Wohnungen geschmissen zu werden.

Die Probleme hängen mehr oder weniger miteinander zusammen und man kann sie auch zusammen lösen.

Das Problem mit Terroristen wie Mohammed Atta, die jahrelang unerkannt hier wohnen, kann man lösen, indem man die Städte und Stadtteile so weit dezentralisiert, daß im Wohnviertel wieder jeder jeden kennt wie in einer Kleinstadt.

Das Problem der kaputten Sozialsysteme kann man lösen, indem man eine leistungsfähigere Konkurrenz aufbaut.

(Hier kommen jetzt ein paar Usenet-Postings von mir zu diesen Themen aus den letzten Jahren.)

 

5.12.2007: Warum ist es eine schlechte Idee, die Ausländer hinauszuwerfen

> Und was soll daran problematisch sein?
> Was ist schlecht daran, wenn man als Deutscher unter Deutschen leben
> will und sein Land nicht mit Leuten aus völlig anderen Kulturen teilen
> will?

Das ist eine sehr komplizierte Frage, die viele Gebiete berührt. Eigentlich wollte ich mir noch ein paar Tage zum Nachdenken nehmen, bevor ich mich da ranwage. Aber sie liegt hier in dieser Gruppe sowieso in der Luft, also schön:

Warum ist es eine schlechte Idee, die Ausländer hinauszuwerfen:

Ein Aspekt ist, daß es bereits eine nicht zu vernachlässigende Zahl von eingebürgerten Leuten gibt, die eine fremde Kultur mitgebracht haben, die sich z.B. auf der Straße in ihrer Muttersprache unterhalten, und die man auf diese Weise ohnehin nicht wieder loswird. Es wären zwar dann ein paar weniger, aber das Ziel "unter Deutschen zu leben", ist eigentlich schon nicht mehr erreichbar, jedenfalls nicht mit rechtsstaatlichen Methoden.

Was man stattdessen erreichen kann, ist, die gesamte, jetzt vorhandene Bevölkerung in Deutschland so zu integrieren, daß man zwar nicht "das Deutsche Volk" der Vergangenheit zurückbekommt, sondern ein anderes, durch Einflüsse anderer Völker verändertes, aber immerhin wieder ein Volk, daß sich als Einheit begreifen kann, als "das Volk, das in Deutschland lebt". Da wäre dann auch wieder Platz für echte Toleranz, wo jetzt nur "Toleranz aus Pflichtgefühl" herrscht. (Der Weg dahin ist ein anderes Thema, das soll jetzt nicht ausufern. Ich will auch mit meinen Ideen nicht immer wieder hausieren gehen.)

Ein anderer Aspekt ist der wirtschaftliche. Die Leute, die hier für Dumpinglöhne arbeiten (und scheinbar den Deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen), das sind z.B. Polen, die ein paar Monate, bzw. den Sommer über in Landwirtschaft oder Gartenbau arbeiten und dann wieder zurückfahren. Die können für Dumpinglöhne arbeiten, weil sie zuhause billig wohnen und leben, viel billiger als wir hier.

Trotzdem ist es nicht schlecht für uns, daß sie rüberkommen und hier arbeiten, sondern gut. Warum: Weil die deutsche Wirtschaft kaputt ist, durch mindestens dreißig Jahre schlechte Politik. Die Polen, die hier rüberkommen zum Arbeiten, halten schätzungsweise ein paar Zehntausend kleine Betriebe am Leben, die sonst nicht mehr lebensfähig wären, sondern schließen müßten. Die Alternative ist also nicht: Die Arbeit wird entweder von Polen gemacht oder von Deutschen, sondern: Die Arbeit wird entweder von Polen gemacht oder gar nicht. Dann hätten wir noch mehr Leute, die nicht für sich selbst sorgen, sondern nur noch die Hand aufhalten. Aber so haben wenigstens die Inhaber der betreffenden Betriebe und ihre Familien noch ihren Arbeitsplatz.

 

5.12.2007: Ein Volk kann nur soviel fressen, wie es produziert

Dasselbe aus einer anderen Richtung gesehen, und auf eine einfache Formel gebracht: Ein Volk kann nur soviel fressen, wie es produziert. Das heißt: Je mehr hier an (produktiver) Arbeit verrichtet wird, umso mehr Werte werden hier geschaffen und stehen zum Verteilen zur Verfügung. Dadurch daß die Polen billiger arbeiten, nehmen sie auch noch weniger wieder mit hinaus, als sie an Arbeit eingebracht haben.

Ein weiterer Aspekt ist die Ausländerkriminalität. Unter Ausländern gibt es prozentual mehr Kriminalität als unter Deutschen, da braucht man nichts zu beschönigen. Ein Grund dafür ist die mangelnde Integration mancher Gruppen von Ausländern, ganz besonders der illegal eingereisten. Der Grieche an der Ecke ist z.B. kein bißchen kriminell. Aber es gibt am anderen Ende des Spektrums z.B. Rumänen, die hier extra eingeschleust werden, um Einbrüche zu tätigen, als ob sie im Krieg wären und Beute machen würden.

Meiner Meinung nach hat sich die Idee, alle Grenzen zu öffnen und nicht mal mehr die Ausweise zu kontrollieren, als Fehler erwiesen. Stattdessen haben wir jetzt nämlich flächendeckende Kontrollen durch den Bundesgrenzschutz, so daß wir nicht wirklich weniger Kontrollen haben, sondern eher mehr. Zumindest die Ausweise sollte man an den Grenzen doch wieder kontrollieren. Man muß ja nicht unbedingt das Gepäck kontrollieren, schließlich gibt es keine Zölle innerhalb der EU.

Mit der Ausweisung von Ausländern, die sich strafbar gemacht haben, habe ich keine Probleme. So weit ich weiß, ist das auch bereits in den bestehenden Gesetzen so vorgesehen, nur die Behörden haben irgendwie immer Hemmungen davor. (Die NPD fordert an dieser Stelle also eigentlich etwas, das bereits vorhanden ist.) Ein Problem sehe ich bei der Ausweisung in Länder, die die Folter oder Todesstrafe haben. Da kann ich keine allgemeine Antwort geben, da kommt es auf den Einzelfall an.

Ein weiterer Aspekt ist der außenpolitische. Wegen unserer unseligen Vergangenheit wären wir auf der Welt sofort für lange Zeit unten durch, wenn wir jetzt tatsächlich anfangen würden, massenhaft Ausländer hinauszuwerfen.

Was man tun muß, anstatt Ausländer hinauszuwerfen, ist: Arbeitsplätze schaffen. Erstens muß das gesamte Steuer- und Abgabensystem so verändert werden, daß es sich wieder lohnt, einen Betrieb aufzumachen. Zweitens muß das gesamte bürokratische System so verändert werden, daß man einen Betrieb aufmachen kann, ohne einen jahrelangen Papierkrieg und ohne Schikanen und Gängelei. Drittens muß das Gesundheitssystem so verändert werden, daß das Geld, was dort hineingeht, nicht in den Taschen von Konzernen landet. Viertens muß das Bildungssystem so verändert werden, daß fleißiges Lernen sich wieder lohnt. (Wie man da hinkommt, dazu kann ich zwar auch etwas sagen, aber nicht an dieser Stelle, wo es um "Ausländer raus, ja oder nein" geht.)

>> | Die EU-Osterweiterung wird sich für jeden Sachsen auf allen vorher
>> | genannten Gebieten verheerend auswirken. Es wird einen neuen
>> | Ausländerzustrom geben.

> Eine Tatsachenbehauptung, deren Richtigkeit sich erweisen wird. Wo ist
> das Problem?

Das Problem ist hier: Du wechselst das Thema. Es geht nicht um die EU, sondern um die Frage: Schürt die NPD Ängste vor Ausländern? Und wenn man all die kleinen Beispiele aus der Homepage ansieht, lautet die Antwort: Ja, die NPD schürt oder nutzt bei jedem dieser Beispiele Ängste vor Ausländern.

>> | Um die Kriminalität und Gewalt besser bekämpfen zu können, benötigt
>> | die Polizei einen größeren Handlungsspielraum und weniger
>> | bürokratische Hürden.

> Und das fordert der Schily von der SPD nicht?

Schily ist einer, der nicht weiß, was er tut. Aber darum ging es nicht. Es ging um die Frage: Will die NPD weniger Rechtsstaat und mehr Freiheiten für die Polizei? Und die Antwort ist immer noch: Ja.

Daß auch Politiker anderer Parteien sowas fordern, geht mir genauso gegen den Strich. Ich wüßte auch jetzt nicht auf Anhieb, wer in dieser Hinsicht schlimmer ist, die NPD oder Schily oder Beckstein, ganz ehrlich, das könnte ich nicht beantworten.

 

5.12.2007: Schärfere Strafen

>> | Wir fordern härtere Strafen für alle Bereiche der Kriminalität

> Was ist menschenfeindlicher: Täter hart zu bestrafen oder bei den Opfern
> mit Gewalt nach Mitschuld und Fehlverhalten zu suchen, wie das heute der
> Fall ist?

Am menschenfeindlichsten ist immer der blinde Ruf nach schärferen Strafen.

Immer wenn irgendwo etwas Schreckliches passiert ist - und es passieren wirklich viele schreckliche Dinge - wenn also wieder irgendwo ein Kind umgebracht worden ist, oder eine ganze Familie ausgelöscht, stellen sich Politiker breitbeinig hin und fordern "schärfere Strafen". Und sie behaupten, das würde "abschrecken". Dabei ist inzwischen nachgewiesen, daß schärfere Strafen nicht abschrecken, sondern daß z.B. in den Ländern, wo die Strafen am schärfsten sind, auch die Verbrechensraten am höchsten ist. Da, wo der Staat seine Bürger am härtesten behandelt, passieren die meisten Verbrechen. Beliebtestes Beispiel: USA - die meisten Verbrechen, die meisten Gefängnisinsassen pro Einwohner (in der westlichen Welt) und die schärfsten Strafen - dreimal beim Klauen erwischt: lebenslänglich.

Schärfere Strafen können genau das Gegenteil von dem bewirken, was beabsichtigt ist. Zum Beispiel ist es im Augenblick so, daß für bestimmte Sexualstraftaten zuerst Gefängnis, anschließend "Therapie" und daran anschließend möglicherweise "Sicherungsverwahrung" droht. Das ist - vom Täter aus gesehen - eine härtere Strafe als für Mord. Dadurch ist nicht die Zahl solcher Verbrechen zurückgegangen, sondern für die Opfer ist das Tötungsrisiko gestiegen.

Wenn Strafen funktionieren sollen, im Sinne von: möglichst wenig Verbrechen, dann müssen sie nicht "so scharf wie möglich", sondern "so angemessen wie möglich" sein. Und da ist in unserem Rechtssystem noch so einiges zu verbessern, z.B. daß für Vermögensdelikte die Strafen nicht mehr höher sein sollten als für Gewaltdelikte.

>> Außerdem fordert sie auf mehreren Gebieten mehr Zwang, weniger
>> Freiheit.

> Wo zum Beispiel?

Arbeitszwang z.B., oder beim Gesundheitswesen: Zwangsmitgliedschaft für alle. Daß sich in dieser Frage auch SPD, CDU und Grüne einig sind, rechtfertigt nicht das Eintreten für mehr Zwang. Im Gegenteil: Bei solchen Fragen wünschen sich besonders SPD und Grüne immer wieder schrecklich gern diktatorische Verhältnisse.

Die Art, mein Posting zu zerpflücken und jeden Satz einzeln zu kommentieren, stört mich ein bißchen. Versuch doch lieber, Deinen Standpunkt zusammenhängend darzustellen.

>> Natürlich ist Nationalismus allgemein unerwünscht

> Überall - oder nur bei uns in Deutschland?

Speziell bei uns in Deutschland. Ich würde es mal so begründen: Das Quantum an Nationalismus, das uns für unsere Leistungen bis heute zugestanden hätte, haben wir im dritten Reich schon im voraus verbraucht.

Wir brauchen heute "neue Gründe", wenn wir stolz auf uns sein wollen. Eine Fußballweltmeisterschaft z.B. reicht immerhin für ein paar Tage begründeten Stolz, aber noch nicht für einen grundlegenden Nationalstolz.

Wenn wir aber jetzt Dinge schaffen würden, die sich als so erfolgreich erweisen, daß sie von anderen Ländern übernommen werden, dann hätten wir z.B. auch neue Gründe, mal wieder stolz auf uns zu sein. Zum Beispiel könnten wir uns ein Sozialsystem ausdenken, das auch in Zeiten der Globalisierung nicht nur funktioniert, sondern auch noch stabilisierend auf die Wirtschaft wirkt. Oder wir könnten Fortbewegungsmittel erfinden, deren Energie- und Ökobilanz plus/minus Null ist. Damit meine ich jetzt aber nicht Fahrräder, sondern Autos, Züge und Flugzeuge.

 

5.12.2007: Sozialsystem auf Basis von Arbeit statt Geld

> Davon könntest Du aber nur einen kleinen Teil des Sozialsystems
> finanzieren.

"Finanziert" wird überhaupt nichts in meinem System. Nichts wird ge- oder verkauft. Es wird gearbeitet, es werden Dienstleistungen erbracht, es werden Dinge hergestellt zum Verteilen an Bedürftige, und es wird Material hergestellt um Wohnheime und einfache Wohnungen zu bauen.

Es ist ein anderes System als wir jetzt haben. Es umfaßt Bildung, Gesundheit, Essen und einfaches Wohnen. Versicherungsleistungen wie Rente oder Arbeitslosengeld sind nicht enthalten.

Im Augenblick ist es Privatsache, für Wohnen und Essen zu sorgen, in meinem System sind Versicherungen auf Geld Privatsache.

> Ein Arbeitsloser will Geld sehen

Wenn er vorher versichert war, hat er auch Anspruch darauf. Anspruch auf Geld hat man bekanntlich nicht von Natur aus. Aber einen Anspruch darauf, daß die Gemeinschaft einen in einer Notlage nicht einfach fallen läßt, einen nicht verhungern, erfrieren oder an Krankheiten eingehen läßt, den hat man tatsächlich von Natur aus.

Genau das leistet das Sozialsystem im Augenblick immer schlechter. Man liest z.B., daß arme Leute sich die Arztbesuche verkneifen.

http://www.n-tv.de/5484207.html http://www.taz.de/pt/2005/01/18/a0270.nf/text.ges,1

Man liest z.B. auch, daß das Bildungssystem seiner Aufgabe immer schlechter gerecht wird. Ausgebrannte Lehrer und lustlose Schüler werden zum Regelfall. Das jetzige System verschlingt immer mehr Geld, die Eltern müssen immer mehr zuzahlen, und es leistet immer weniger.

Auch bei der Versorgung mit lebensnotwendigen Dingen wird das jetzige System immer schlechter: Das Billig-Segment wächst, und das Luxus-Segment wächst, aber die mittleren Niveaus verschwinden. Und die Waren im Billig-Segment werden langsam und kaum merklich immer ein bißchen mieser.

(Ist Dir z.B. schon mal aufgefallen, daß bei den Eigenmarken der Discounter der Frischkäse in den letzten Jahren immer dünnflüssiger wird, und daß im Schmelzkäse immer seltsamere Zutaten drin sind wie z.B. Molkepulver, Stärke und Butter?)

Das heißt: Genau die Grundsicherung kann die Marktwirtschaft bei uns nicht mehr leisten. Die Grundsicherung muß auf andere Weise neu aufgebaut werden. Der Rest der Wirtschaft kann von mir aus so bleiben. Und sie braucht dann auch weniger Rücksicht zu nehmen, da kann sie froh sein.

>> Die Arbeiter und Angestellten verlieren nichts dabei, sie arbeiten
>> genausolange wie vorher, und bekommen dasselbe Netto.

> Wenn sie für ihren Arbeitgeber nur noch 2/3 der Zeit arbeiten, dann
> wird der ihnen auch aller höchstens 2/3 des Lohnes zahlen.

Du zitierst etwas unfair, mein Lieber. Der Arbeitgeber spart den Sozialbeitrag, und das ist ziemlich genau ein Drittel von dem, was er jetzt zahlt. Er spart ein Drittel und kriegt auch ein Drittel weniger.

> Warum setzt man nicht die Leute dafür ein, die eh keine Arbeit haben?

Wenn sie arbeitsfähig sind, müssen sie ein Drittel der normalen Arbeitszeit ohnehin zur Verfügung stehen. Dafür haben sie Ansprüche auf Leistungen aus dem System. Man darf auch gern mehr Arbeit einbringen, wenn man die Zeit hat, auf Vorrat von mir aus. Auch Rentner dürfen gern mitmachen, aber nur ehrenamtlich.

> Welche Oma will sich von einem besoffenen Feierabend-Bauarbeiter den
> Hintern waschen lassen?

Dadurch, daß bei uns im Augenblick alles in Geld gemessen wird, wird die Arbeit der Menschen und werden die Beziehungen untereinander entwertet. Stichwort "soziale Kälte": http://news.google.de/news?hl=de&ned=de&ie=ISO-8859-1&q=%22soziale+k%...

Wenn es aber einen Bereich gibt, wo jeder mitmachen muß und wo jeder Unterstützung findet, wenn er sie braucht, dann hat diese Gesellschaft eine Chance, ein neues, positives Selbstverständnis und ein neues Zusammengehörigkeitsgefühl zu entwickeln. Auch die Integration der verschiedenen in- und ausländischen Kulturen wird leichter, wenn das System die Leute zwingt, zusammen zu arbeiten (und dabei zusammenzuarbeiten).

 

5.12.2007: Ein Drittel Kommunismus, zwei Drittel Marktwirtschaft

Im Augenblick muß jeder kleine Arbeiter und Angestellte rund ein Drittel seiner Arbeitszeit für die Sozialsysteme aufwenden und rund ein Sechstel für den Staat, zusammen also die Hälfte fürs Gemeinwesen. (Das echte Brutto ist 120 Prozentpunkte, wegen des Arbeitgeberanteils, davon 40 Prozentpunkte sind ein Drittel, und 20 Prozentpunkte für Steuern sind ein Sechstel.)

Mein Modell sieht so aus, daß man das soziale Drittel seiner Arbeitszeit nicht am Arbeitsplatz ableistet, sondern in einer sozialen Einrichtung. Und man erhält kein Geld dafür, sondern Ansprüche auf Sozialleistungen in Form von Sach- und Dienstleistungen. Ich will auf diese Weise die Sozialsysteme aus der Marktwirtschaft und aus dem Geldkreislauf ganz und gar heraustrennen.

Die Arbeiter und Angestellten verlieren nichts dabei, sie arbeiten genausolange wie vorher, und bekommen dasselbe Netto. Aber wenn sie bedürftig werden, dann werden sie von einem Sozialsystem betreut, in dem kein Profit gemacht werden kann, sondern in dem alles den Bedürftigen zukommt, und in dem alle mitarbeiten können, auch die Arbeitslosen, das also mehr leisten kann.

Die Arbeitgeber verlieren nichts dabei, sie bekommen ein Drittel weniger Arbeit und zahlen ein Drittel weniger Geld. Aber die Marktwirtschaft insgesamt ist dann von der Aufgabe entlastet, die Sozialsysteme in Gang halten zu müssen. Das kann sie nämlich zunehmend schlechter - wie man sieht. Es hängt damit zusammen, daß die Marktwirtschaft Profit und Wachstum braucht, und daß das Kapital immer dahin fließt, wo das Wachstum am größten ist.

Auf eine einfache Formel gebracht: Ein Drittel Kommunismus, zwei Drittel Marktwirtschaft.

 

5.12.2007: Sozialsystem als Grundsicherung

Ich hätte eine Methode, die würde funktionieren: Man läßt zu, daß ein oder zwei parallele Wirtschaftssysteme entstehen, die nicht auf dem üblichen Geld beruhen, also nicht auf Euro, Bankkonten und Finanzkapital.

Das eine System benutzt "Regionalgeld" (das gibt es bereits in Ansätzen, man kann danach googeln), und zusätzlich legt man fest: Regionalgeld ist 1. außerhalb der jeweiligen Region ungültig, und 2. für Bank- und Geldgeschäfte aller Art nicht zugelassen, sondern es darf nur als Tauschmittel benutzt werden: Arbeit gegen Geld, und Ware gegen Geld. (Evtl. muß man ein Verfalldatum auf jeden Schein drucken, damit es nicht gehortet wird und mit einer plötzlichen Schwemme das System zerstören kann.)

Seine ganze Kraft kann ein solches Gegensystem dann entfalten, wenn man einfach sagt: EU-Vorschriften und Bundesvorschriften gelten nur für Geschäfte, die in Euro abgewickelt werden, nicht für die die, die in Regionalgeld abgewickelt werden.

Es gibt ja heute so viel Finanzkapital, daß es die ganze Welt mehrmals kaufen könnte, wenn alles zu verkaufen wäre. Es ist so ähnlich wie damals das Wettrüsten: Es gab so viele Atomraketen, daß man die Menschheit mehrmals hätte auslöschen können. Und so ähnlich ist auch die Bedrohung, die von den Riesenmengen an Kapital ausgeht: Es kann durch ein Versehen oder ein paar Fehlentscheidungen die Weltwirtschaft zerstören. Dann braucht man schnell etwas Neues. Man kann abwarten, bis der Zusammenbruch da ist, man kann aber auch jetzt schon anfangen.

Das zweite System beruht auf ehrenamtlicher Arbeit und Sachspenden, funktioniert also ganz ohne Geld. Es soll so weit wachsen, daß es die Grundsicherung für die Menschen leistet: Irgendein Dach über dem Kopf, Kleidung, Essen, Behandlung von Kranken, Grundschule. Es ist praktisch ein alternatives Sozialsystem. Es wäre wohl auch sinnvoll, Teile der Infrastruktur, also Straßen, Kanalisation, öffentlichen Nahverkehr, von diesem System bereitstellen zu lassen.

Es funktioniert so, daß jeder im Laufe der Zeit ein Drittel seiner Lebensarbeitszeit "einzahlen" muß, und damit erwirbt er Ansprüche, daß die Anderen ihm später ihre Arbeit "auszahlen". Auch das kann man in Form von regionalen Vereinen sich selbst organisieren lassen. Auch so etwas gibt es bereits in ersten Ansätzen, aber in sehr schlechten: 1-Euro-Jobs.

Die größte Stärke des Systems liegt daran, die Bevölkerung zu integrieren. Man zwingt die Leute, zusammenzuarbeiten. Dann bleibt ihnen nichts anderes übrig als sich kennenzulernen.

  > Wie passt denn das zusammen ? Einerseits soll die staatlich verordnete
> Arbeit eine tolle Errungenschaft sein und dann beklagst Du Dich, daß die
> staatlich verordnete Arbeit was Erniedrigendes sei ?

Genau so ist es.

Jeder muß arbeiten. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen hat man Anspruch auf Sozialhilfe. Allen anderen ist schon immer staatlich verordnet gewesen: "Such Dir einen Job."

Bei mir heißt es jetzt: "Such Dir zwei Jobs." Einen im Sozialsystem und einen in der Wirtschaft.

In einem voll entwickelten Sozialsystem gibt es natürlich tausende von verschiedenen Jobs. Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Büropersonal, technisches Personal, Handwerker, Hausmeister, Reinigungskräfte, Betreuung, Pflege, medizinisches Personal, Lehrer, Gärtner, EDV-Leute, Programmierer, was weiß ich noch, Heizer. Da wird schon was für jeden dabei sein. Nicht jeder muß immer nur die alten Omas neu pampern.

Aber die Idee, Sozialhilfeempfängern Eimer und Zange in die Hand zu drücken und zu sagen: "Hier, los, aufsammeln, oder weniger Kohle", so dass sie keine Wahl haben, das ist etwas ganz anderes.

> Kopf schüttel.....

Du mußt nicht den ganzen Kopf bewegen, nur die grauen Zellen.

>> 11. Ableistung der Lohnnebenkosten in Form von Arbeit statt in Form von
>> Geld, z.B. durch Arbeit in sozialen Einrichtungen. Dann würde sich der
>> momentane Standortnachteil in Nichts auflösen. Deutschland wäre
>> plötzlich das Steuerparadies in der EU.

> Meinst Du jetzt freiwillig oder als Pflicht für alle? Ich glaube, das
> hätte keinen Effekt - so oder so. Das Maß an sozialer Arbeit, daß man
> dann zusätzlich erbringen muß wiegt ja Steuervorteil wieder auf. Das ist
> so als ob Du einen 2. Job aufnimmst, mit dem Du genau das verdienst, was
> Du beim ersten an Abgaben leistet. Das schafft letztenendes nur
> Mehrarbeit und kostet Arbeitsplätze.

Ich meine das als Pflicht für alle, so wie es schon jetzt Pflicht für alle ist, ein Drittel ihrer Lebensarbeitszeit für die Sozialsysteme zu arbeiten. Wenn die Lebensarbeitszeit z.B. von 16 bis 67 geht, das sind 51 Jahre, dann muß man insgesamt 17 Jahre für das Sozialsystem arbeiten.

Ich rechne so: Im Augenblick arbeitet man z.B. 7.5 Stunden und kriegt 100% Brutto. Davon zahlt man 20% Sozialbeiträge und z.B. 20% Steuern. Netto behält man 60%. Der Arbeitgeber zahlt nochmal 20% Arbeitgeberanteil.

Man muß also eigentlich so rechnen: Der Arbeitgeber zahlt für 7.5 Stunden 120 Einheiten, davon 40 Einheiten Sozialbeiträge, 20 Einheiten Steuern und 60 Einheiten Netto.

Wenn der Arbeitnehmer ab jetzt morgens 2.5 Stunden im Sozialdienst arbeitet und dann 5 Stunden auf der Arbeit, kriegt der Arbeitgeber ein Drittel weniger Leistung, dafür zahlt er auch ein Drittel weniger, und er kann drei Leutet bezahlen, die dann dieselbe Arbeit machen wie jetzt zwei Leute. Ob es so nach Stunden gegliedert wird, oder nach Jahren, das ist mir eigentlich egal. Sollen sie es machen, wie sie wollen.

Wenn sich jetzt für den Arbeitgeber im Grunde nichts ändert, und auch der Arbeitnehmer dieselbe Zeit arbeitet und dasselbe Netto kriegt, wo ist dann aber der Vorteil? (Der Vorteil kommt drei Absätze weiter unten.) Auf jeden Fall: Es kostet schon mal keine Arbeitsplätze und auch kein zusätzliches Geld. Und das ist schon ein wichtiger Punkt, damit man überhaupt mit so etwas anfangen kann.

Letztlich möchte ich erreichen, daß im Sozialsystem die Arbeit nicht in Geld bezahlt wird, sondern daß man durch seine Arbeit dort Ansprüche auf Leistungen des Sozialsystems für sich selbst erwirbt. Und auch die Leistungen des Sozialsystems sollen nicht in Geld ausgezahlt werden, sondern in Form von Naturalien oder Diensten. Zum Beispiel soll das Sozialsystem keine Medikamente kaufen, sondern selber zusammenrühren. Da kann man dann natürlich nur Medizin herstellen, die nicht mehr unter Patentschutz steht.

Man schafft sich auf diese Weise ein Sozialsystem, das auf Naturalien basiert, und das sich, während es aufgebaut wird und während es wächst, immer weiter von der Wirtschaft abkoppelt und seine eigenen Kreisläufe entwickelt.

Und jetzt kommt der Vorteil: In einem solchen System können auch die arbeiten, die in der Wirtschaft keinen Arbeitsplatz kriegen. Wenn sie dann irgendwann ihre Pflichtzeit abgeleistet haben, muß man natürlich eine Möglichkeit haben, wie sie dann mit Geld bezahlt werden, damit sie an dem Luxus, der außerhalb des Sozialsystems, in der Wirtschaft, hergestellt wird, teilhaben können. Ich denke, das Problem wird lösbar sein. Zum Beispiel, indem man besondere Waren herstellt und verkauft, oder indem man Lizenzen verkauft.

Im Augenblick ist es ja so, daß viele Leute nicht für die Sozialsysteme arbeiten, weil sie nicht in der Wirtschaft arbeiten. Dadurch wird insgesamt weniger Arbeitsleistung in unsere Gesellschaft eingebracht als möglich wäre. Deshalb möchte ich ein Sozialsystem aufbauen, das nicht darauf angewiesen ist, daß die Leute einen Arbeitsplatz in irgendeiner Firma haben, sondern das auch dann noch funktioniert, wenn - theoretisch - alle Firmen ins Ausland abwandern.

Letzten Endes soll das Sozialsystem die gesamte Grundversorgung der Bevölkerung übernehmen, wo auch immer man das jeweils abgrenzt. Dann haben wir ein Sozialsystem, das für die Grundversorgung zuständig ist, und eine Wirtschaft, die nur noch für den Luxus zuständig ist. Und da ist der Kapitalismus auch in seinem Element, gell.

Ich glaube, auf irgend etwas in dieser Art wird es in der Zukunft sowieso hinauslaufen, denn eins ist doch klar: Die kapitalistische Wirtschaft ist immer weniger in der Lage, die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zufriedenzustellen.

(Noch offen: "Wer soll der Träger eines solchen Systems sein" und: "Wer soll es kontrollieren" und: "Wie verhindert man, daß sich Strukturen bilden wie in der DDR, die nach 40 Jahren zum Zusammenbruch führen")

 

5.12.2007: Der Weg dorthin

> - jetzt verraetst Du mir (uns) doch sicherlich noch (zumindest im
> Ansatz) wie sich das realisieren laesst...

Der Anfang ist noch relativ einfach:

Erstmal sucht man sich ein Dutzend Leute zusammen, die in der Lage sind, sowas anzuschieben, gründet einen gemeinnützigen Verein, der für "Sozialprojekt Eins" ein Konzept schreibt und damit bei den Landesfürsten, bei den Landesversicherungsanstalten, bei der regionalen Bundeswehrverwaltung und bei der Presse hausieren geht. Am aussichtsreichsten wäre es wohl in einem Stadtstaat, der sowas von pleite ist, daß er schon anfängt, die Straßen und die Krankenhäuser zu verkaufen.

Die fragt man, ob sie Interesse hätten und es gut finden würden, bei der Krankenversorgung und Altenpflege knapp zwei Drittel der Kosten einzusparen, gleichzeitig die Obdachlosen und Langzeitarbeitslosen loszuwerden, und ob sie ein entsprechendes Experiment für einen bestimmten Zeitraum, so 5 bis 10 Jahre, unterstützen wollen.

Von der Bundeswehrverwaltung läßt man sich eine stillgelegte Kaserne für diesen Zeitraum geben, möglichst mit Gelände dabei, und möglichst auch so, daß noch ein paar Stellen da sind, die nicht mit Munition und Öl verseucht sind. Und die Bundeswehrverwaltung soll auch ein paar angehende Ärzte rausrücken, die dann anstatt bei der Bundeswehr bei dem Experiment mitmachen können.

Dann sucht man sich ungefähr 1000 Freiwillige, da sollen die Medien mal mithelfen. Und dann macht ein großes Pflegeheim und ein kleines Krankenhaus auf, mit Low-Tech-Medizin. Und da lebt man zusammen mit Personal und Patienten, für jeden ein schlichtes, aber sinvolles Jahr. Man darf natürlich auch länger bleiben als nur ein Jahr. Nur die ursprünglichen Gründer, das eine Dutzend, die hängen auf jeden Fall für die volle Projektzeit drin und tragen die Verantwortung.

Und an der Stelle fangen die echten Probleme an:

Am schwierigsten wird es sein, die Landesfürsten davon zu überzeugen, einem die ganzen Behörden und den Wust von Vorschriften usw. vom Hals zu halten. Man wird sehr viele Ausnahmeregelungen und Freistellungen brauchen. Die werden extra Gesetze machen müssen, nur für das eine Pilotprojekt mit 1000 Leuten. Die Steuer z.B. hat sich völlig rauszuhalten. In der Konfrontation mit dem Bestehenden, da steckt der Sprengstoff. Das gibt ein Riesengeschrei, denk nur mal an die Pharma-Industrie. Auch wenn es nur ein kleines Experiment ist, die werden alle ahnen: Da wächst eine Lösung heran, die ohne uns auskommt.

Die Kontrolle des Projektes muß ein demokratisch gewähltes Gremium ausüben, z.B. ein Ausschuß aus Landtags- und Kommunalabgeordneten. Keine Behörden und keine halbstaatlichen Organe wie TÜV usw. Die machen sonst alles ganz schnell wieder platt. Und die Kontrolle soll auch nicht prüfen, ob ihnen die Richtung paßt, sondern nur, ob das Konzept eingehalten wird, ob die Bücher stimmen, ob nichts veruntreut wird, usw.

Der Zeitrahmen, die 5 bis 10 Jahre, auf die ein einzelnes Projekt beschränkt wird, soll verhindern, daß die Bürokratie wuchert und daß sich Filzstrukturen bilden können. Wenn die Zeit für das Krankenhausprojekt um ist, dann wird auf dem Gelände ein neues Projekt aufgemacht, mit neuen Ideen, mit einem neuen Konzept. Vielleicht ein Projekt mit Energiepflanzen. Oder eine Schule. Oder ein bißchen Landwirtschaft und Gartenbau, Essen mit und ohne Räder, für Rentner und Arme, oder für die Schulen in der Umgebung.

Wenn das erste Projekt funktioniert, ist es kein Problem mehr, die nächsten Projekte aufzumachen. Das erste ist das schwierigste.

Am Anfang, wenn das ganze System noch aus vereinzelten Projekten besteht, und noch nicht so vernetzt ist, daß die Projekte sich schon gegenseitig ernähren können, wird es - leider - Geld brauchen. Aber es braucht nur etwa ein Drittel soviel Geld wie das herkömmliche Sozialsystem, weil die Stellen dort nicht mit Geld, sondern mit Anspruch auf Leistungen bezahlt werden (und mit Kost, Logis und Taschengeld). Man kann sich auch einen Sponsor suchen, möglichst eine große Firma, die mit Imageproblemen zu kämpfen hat, z.B. ein Mineralölkonzern, ein Medienkonzern, Microsoft, Daimler-Chrysler oder die Telekom.

Am Anfang muß man mit Vollzeitkräften arbeiten. Der Anreiz für die Leute, z.B. ein Jahr lang für Kost, Logis und Taschengeld zu arbeiten, besteht darin, daß ein Jahr "im Projekt" wie drei Jahre Sozialbeiträge gezählt wird. Außerdem rechne ich damit, daß Obdachlose und Langzeitarbeitslose, aber auch andere Freiwillige, gern bereit sind, sich jeweils ein Jahr lang zur Verfügung zu stellen, wenn sie bei einer wirklich guten Sache mitmachen können. Es ist ja nicht nur der Aufbau eines neuen Sozialsystems, es ist ja im Grunde eine zum Guten veränderte Zukunft, an der sie arbeiten.

Wenn das System erstmal läuft mit den Arbeitskräften, die keinen Job in der Wirtschaft hatten, und mit zusätzlichen Freiwilligen, dann kann man die anderen Arbeitskräfte dazuholen, die dann dazu uebergehen, ihre Sozialbeiträge ebenfalls in Naturalien abzuleisten. Die arbeiten dann bei vollem Lohn ein Drittel ihrer Zeit in den Projekten.

(Mit "vollem Lohn" ist der Nettolohn gemeint. Der Arbeitgeber zahlt ein Drittel weniger, er spart die Sozialbeiträge, das sind zweimal ca. 20 Prozent vom Brutto.)

 

5.12.2007: Vier Fliegen mit einer Klappe

  > Das Dumme ist nur, daß alles im Leben bezahlt werden will und muß.
> Wie willst Du das ändern?

Heute arbeiten die Leute ein Drittel ihrer Zeit für die Sozialsysteme, und das Geld dafür fließt in die Sozialkassen (wo es dann hinten und vorne nicht reicht). In Zukunft sollen sie ein Drittel ihrer Zeit direkt in den sozialen Einrichtungen arbeiten. Geld kriegen sie so oder so nicht dafür. Aber es entfallen die Gewinne für die Lieferanten und Leistungsträger.

> Sollen Lehrer und Professoren die Kinder und Jugend kostenlos
> ausbilden? Wovon sollen sie dann leben?

Professoren leben von Forschungsaufträgen. In der Lehre arbeiten sie nur nebenbei. Und sie werden nicht extra dafür bezahlt, sondern die Lehrverpflichtung ist eine der Belastungen, die das Professorendasein mit sich bringt. (die Lehrer kommen drei Absätze später)

> Warum sollten sie so viel Ehrgeiz aufbringen, wenn es sich für sie
> nicht auszahlt?

Jeder vernünftige Mensch gibt sein Wissen nur allzugern weiter, damit es für die Menschheit erhalten bleibt. Die wenigsten Leute sind so geizig mit ihrem Wissen, daß sie sich auf den Standpunkt stellen: "Entweder man kauft es mir teuer ab, oder ich nehme es mit ins Grab."

Lehrer an Schulen werden überhaupt nur gebraucht, solange das Bildungssystem in Form von Schulen, Klassen, Lehrplänen und Behörden organisiert ist. Aber das Bildungssystem ist der Art, wie die Leute heute leben, nicht mehr angemessen. Es verschwendet die Lebenszeit aller Teilnehmer, und seine Leistung nimmt stetig ab.

In passenden Einrichtungen, die einerseits soziale Leistungen erbringen und andererseits einen Ersatz für Großfamilie oder Stamm darstellen sollen, lernen die Jüngeren von den Älteren. Die verbringen ja nicht ihr ganzes Leben dort, sondern nur ein Drittel, und zwar genau das Drittel, das sie sowieso nicht bezahlt kriegen.

> Wie finanzieren wir die Energie und Rohstoffe?

Alles, was man kaufen kann, ist von Menschenhand gemacht, hergestellt, angebaut oder aus der Erde gegraben worden. Geld ist nicht prinzipiell nötig dazu, nur Arbeit.

> Warum sollte ein Bäcker Brot backen, wenn er dafür nichts bekommt?

Ich rede nur von einem Drittel der Arbeitszeit. In diesem einen Drittel soll er in einem Sozialbetrieb arbeiten, am besten in einem, der unter anderem auch Brötchen backt. Wenn er selbständig ist und sich lieber in Form von Geld davon freikaufen möchte, habe ich nichts dagegen. Und wenn er sich gar nicht an dem Sozialsystem beteiligen möchte, kann er das auch tun, er hat dann nur keinen Anspruch auf Leistungen aus dem System. Das ist hart, aber gerecht.

Es funktioniert also insgesamt so, daß jemand, der heute ins Arbeitsleben eintritt, seine Sozialbeiträge nicht mehr in Form von Geld abführt, sondern in Form von Arbeit, und daß er damit Ansprüche auf Leistungen erwirbt.

Wir schlagen mehrere Fliegen mit einer Klappe:

1. Das Sozialsystem wird leistungsfähiger, weil der Faktor Arbeit innerhalb des Systems nicht mehr überteuert ist.

2. Das System ist prinzipiell in der Lage, eine Grundversorgung in Gütern und Dienstleistungen zu erarbeiten und zu verteilen. Dann sind die Teilnehmer nicht mehr unter allen Umständen gezwungen, in der Geldwirtschaft ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Damit verliert das Geld einen Teil seiner Macht.

3. Das System wirkt als Integrationsfaktor, indem es die Menschen zwingt, in wechselnden Gruppierungen zusammen zu arbeiten. Da lernen sich Leute kennen, die sich sonst nie kennengelernt hätten.

4. Jeder kann mitmachen, jeder sollte mitmachen, und jeder, der mitmachen will, wird auch gebraucht. Depressiv vor dem Fernseher sitzen ist nicht mehr nötig.

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